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[de] (orig)
Dissertatition von Dr.med. Tilo Johannes Barth zum
Dr. med. dent.
Die Serumwerte von Vitamin A und Vitamin E bei Risikogruppen und
Karzinompatienten unter Substitution
Geboren am 8.1.1959 in Mannheim
Reifeprüfung am 23.5. 1978 in Mannheim
Studiengang Medizin vom WS 78/79 bis WS 85/86
Studiengang Zahnmedizin vom SS 89 bis SS 92
Staatsexamen Medizin am 19.4.85 an der Universität Heidelberg
Staatsexamen Zahnmedizin am 12.11.92 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Mund- Zahn- Kieferheilkunde
Doktorvater: Prof. Dr. Dr. Joachim E. Zöller
Die Entstehung eines Plattenepithelkarzinomes unterliegt einer multifaktoriellen
Genese, wobei der positive Einfluß antioxidativ wirksamer Vitamine auf eine
mögliche Karzinomentstehung als wissenschaftlich gesichert angesehen werden
kann.
In einer klinischen Studie wurden die Serumwerte von Nichtrauchern, Rauchern,
Leukoplakiepatienten, Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom und Patienten,
nach tumorfreiem Intervall zum Zeitpunkt der Unterkieferrekonstruktion, auf die
antioxidativ wirksamen Vitamine A und E mittels HPLC untersucht. Anschließend
erfolgte eine Vitaminsupplementierung und die Verlaufsmessung der
Vitaminserumwerte.
Sowohl bei Vitamin A als auch bei Vitamin E lagen die Ausgangswerte der Raucher
deutlich unter denen der Nichtraucher. Vor allem bei den Karzinompatienten waren
die Ausgangswerte bei beiden Vitaminen signifikant gegenüber der Kontrolle
erniedrigt. Tumorfreie Rekonstruktionspatienten wiesen bei Vitamin A signifikant
erniedrigte Werte auf, wohingegen bei Vitamin E kein Unterschied zur Kontrollgruppe
feststellbar war. Auch die Gruppe der Leukoplakiepatienten zeigte erniedrigte
Ausgangswerte bei Vitamin A, auffallend war jedoch, daß bei Leukoplakien die
Ausgangsbefunde bei Vitamin E höher waren als die der Kontrollgruppe.
Unter Supplementierung kam es bei Vitamin A weder bei Rauchern noch bei
Nichtrauchern zu einem signifikanten Anstieg der Serumwerte. Auch bei den
Leukoplakiepatienten war bei Vitamin A kein Anstieg der Serumwerte bei Vitamin A
feststellbar. Demgegenüber war bei den Karzinompatienten ein statistisch
signifikanter Anstieg der Serumwerte feststellbar, der jedoch zu keinem Zeitpunkt
den Werten der Kontrolle entsprach. Zu einem deutlichen Anstieg der Vitamin A-
Werte kam es ebenfalls in der Gruppe der Rekonstruktionspatienten
Bei Vitamin E kam es in allen Gruppen unter Substitution zu einem signifikanten
Anstieg, wobei Raucher, nach anfänglich erniedrigten Werten, unter
Supplementierung die Werte der Nichtraucher erreichten. Die Leukoplakiepatienten
übertrafen bei allen Messungen die Kontrollgruppe auch im Verlauf signifikant. Auch
die Karzinom- und Rekonstruktionspatienten zeigten nach erniedrigten
Ausgangswerten im Verlauf höhere Werte unter Supplementierung als die
Kontrollgruppe.
Die vorgelegten Ergebnissen dieser Studie erlauben als Schlußfolgerungen, daß
eine suffiziente Chemoprävention mit antioxidativ wirksamen Vitaminen in
Risikogruppen und bei Karzinompatienten mit einem Anstieg der Serumwerte
möglich und effektiv ist. Eine Chemoprävention sollte das therapeutische Konzept
von Chirurgen, die sich mit der Therapie von Plattenepithelkarzinomen befassen,
ergänzen, wobei die Rückführung dysplastische Zellverbände unter Vitamingabe, in
Zellen ohne entsprechende Schäden, im Vordergrund steht. Es bleibt zu prüfen, ob
der Anstieg im Serum mit einem Anstieg in den Zielzellen der Karzinomentstehung,
den bukkalen Mukosazellen der Mundschleimhaut, korreliert. Hierzu bedarf es
weiterer Studien.
Aufgrund der Ergebnisse großer Interventionsstudien muß der Personenkreis, der
eine erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Plattenepithelkarzinomes aufweist,
sehr genau geprüft werden, um eine Chemoprävention gezielt durchzuführen.
Hierbei wären biochemische oder molekulargenetische Marker für Risikogruppen
hilfreich. Es bleibt abzuwarten, inwieweit neueste wissenschaftliche Ansätze, wie die
Messung des Vitamingehaltes bukkaler Mukosazellen, in der Lage sind, diese
Risikogruppen weiter einzugrenzen, um sie einer medikamentösen Chemoprävention
mit antioxidativen Vitaminen zuzuführen. In jedem Falle sollte auf eine vitaminreiche
Kost und auf eine ausgewogene Ernährung hingewiesen werden.
Im Vordergrund einer Prävention muß jedoch nach wie vor die Vermeidung
karzinogener Noxen, wie Nikotin und Alkohol stehen. Hierzu bedarf es weiterer
Aufklärung breitester Bevölkerungschichten.