Friederike Köster
Dr. med.
DNA- und syntaktische Strukturanalyse primärer Bronchialkarzinome
und klinische Daten zur Analyse prognoserelevanter Parameter -
Eine prospektive Studie mit Relation zur Überlebenszeit
Geboren am 09.12.1960 in Meschede
Reifeprüfung am 22.05.1979 in Meschede
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1991 bis SS 1998
Physikum am 06.09.1993 an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Sinsheim
3. Staatsexamen am 05.05.1998 an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg
Promotionsfach: Pathologie
Doktorvater: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. K. Kayser
In dieser prospektiven Studie wurden morphometrische Zellkernparameter und geometrische
Strukturmerkmale Feulgen-gefärbter histologischer Schnittpräparate primärer
Bronchialkarzinome sowie ausgewählte klinische Daten der betroffenen Patienten ausgewertet.
Dazu wurden die Präparate 342 primärer Bronchialkarzinome (Plattenepithel-, Adeno-,
kleinzellige und großzellige Karzinome) der zwischen dem 01.01.1994 und dem 31.12.1995 in
der Thoraxklinik Heidelberg bei R0-Situation operativ versorgten Patienten einer DNA- und
syntaktischen Strukturanalyse zugeführt. Mit dem Ziel der Erkennung prognoserelevanter
Faktoren wurden die Daten auf statistische Zusammenhänge geprüft, in Relation zur
Überlebenszeit untersucht sowie einer multivariaten Diskriminanzanalyse unterzogen.
Als prognostisch günstig ist die weibliche Geschlechtszugehörigkeit sowie die Diagnose eines
Plattenepithelkarzinoms anzusehen. Prognostisch ungünstige Prädiktoren sind die Diagnose
eines kleinzelligen Karzinoms, ein positiver Nodalstatus sowie ein begleitender Alkoholabusus.
Negativ beeinflußt werden die Überlebensraten der Patienten zudem durch ein großes
Tumorvolumen sowie große Abstände der proliferierenden Zellen.
Es zeigte sich ein enger Zusammenhang zwischen den Zellproliferations- und
Strukturparametern in Abhängigkeit vom histologischen Tumorzelltyp. Die Adenokarzinome
hatten dabei die höchsten Werte für die Kernfläche, die DNA-Entropie, die S-Phasen-Fraktion,
den MST-Entropiefluß, die MST-Entropie, die Tumorzellen mit einer Nachbarzelle, den
Abstand von Tumorzelle zu Tumorzelle sowie den Abstand der proliferierenden Zellen. Die
Plattenepithelkarzinome zeigten die höchsten Werte für den DNA-Entropiefluß. Die
kleinzelligen Karzinome fielen dagegen durch die niedrigsten Werte der oben genannten
Indices auf.
Die Prognose der Patienten wird von zytophotometrisch erfaßten Parametern beeinflußt. Als
prognostisch ungünstig sind große Zellkernflächen anzusehen sowie große Abstände der
proliferierenden Zellen bzw. der Tumorzellen. Für einen positiven Nodalstatus, d.h. für ein
fortgeschrittenes Tumorgeschehen sprechen bei kleinzelligen Karzinomen hohe Werte der
Integrierten Optischen Dichte der Zentralzellen sowie derjenigen Tumorzellen, die
Tumorzellen bzw. Lymphozyten in ihrer unmittelbaren Umgebung haben. Auf einen positiven
Nodalstatus deutet auch ein hoher MST-Entropiefluß hin. Bei den großzelligen Karzinomen ist
ein Lymphknotenbefall umso wahrscheinlicher, je höher die Werte für die DNA-Entropie der
zentralen Tumorzellen sind.
Entsprechend der Ergebnisse der vorliegenden Arbeit können unter Einbeziehung der
computergestützten Bild-zytophotometrischen DNA-Analyse zusätzliche, prognoserelevante
Informationen über die Proliferationskinetik von Tumorgewebe gewonnen werden. Durch die
Definition dieser Prädiktoren können Patientengruppen herausgefiltert werden, die von
individuellen Therapiekonzepten profitieren bzw. die einer besonders intensiven
Nachsorgestrategie bedürfen.