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Peter Jürgen Klutke
Dr. sc. hum.
Evaluation des Einsatzes von Standardvideokonferenzsystemen in der Telemedizin
Geboren am 03.05.1969 in München
Reifeprüfung am 29.06.1998 in Königsbrunn
Studiengang der Fachrichtung Medizinische Informatik vom WS 1991/92 bis zum SS 1996
Vordiplom am 13.10.1993 an der Universität Heidelberg
Diplom am 23.10.1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Medizinische Biometrie und Informatik
Doktorvater: Prof. Dr. rer. biol. hum. Reinhold Haux
Das Thema dieser Arbeit ist die Evaluation des Einsatzes von
Standardvideokonferenzsystemen in der Telemedizin. Hier bestehen neue technische
Möglichkeiten durch Mehrpunktkonferenzen und durch standardisierten gemeinsamen Zugriff
auf Dokumente während einer Videokonferenz. Die Evaluation erfolgte in den medizinische
Anwendungsgebieten der Teleepidemiologieund der Telemedizin in Orthopädie und
Radiologie. Die Inhalte der Evaluation sind einerseits technische Aspekte, welche durch
Ermittlung der Übertragungsverzögerungen bei verschiedenen Aktionen bewertet werden. Dies
betrifft insbesondere die gemeinsame medizinischen Bildbearbeitung. Auf der anderen Seite
erfolgt eine Evaluation durch die medizinischen Endbenutzer, insbesondere Orthopäden,
Radiologen und Epidemiologen, mit Hilfe von detaillierten Fragebögen. Evaluationsaspekte der
Fragebögen sind unter anderem Benutzerprofile, Inhalte der Videokonferenzen, Probleme,
Benutzerfreundlichkeit, Benutzerakzeptanz, Organisationsaufwand, Methode und Qualität des
gemeinsamen Zugriffs auf medizinische Bilddaten oder epidemiologische Statistiken,
Nutzeffekte für Experten und Patienten sowie Nutzen und Effizienz von
Mehrpunktkonferenzen. Die Auswahl der Endbenutzer für die Evaluation erscheint
repräsentativ für zukünftige Endanwender der Technologie. Eine Befragung von Patienten zu
ihren Einstellungen gegenüber Videokonferenzen in der Medizin ergänzt die Methodik dieser
Arbeit.
Die Möglichkeit des sinnvollen Einsatzes dieser Systeme in der medizinischen Routine ist ein
bedeutendes Resultat der Studie. Die Benutzerfreundlichkeit ist hoch und die Systeme werden
gut akzeptiert. Teilweise treten Probleme bei der Audioübertragung durch Echoeffekte auf. Es
gibt jedoch geeignete Abhilfemöglichkeiten. Die Benutzung des gemeinsamen Zugriffs auf
Programme und Dokumente ist unproblematisch. Zeitverzögerungen bei besonderen Aktionen
können durch geeignetes Vorgehen vermieden werden. Die Ausnutzung der
Übertragungsbandbreite durch die Videokonferenzsysteme kann durch optimierte dynamische
Bandbreitenzuweisung sowie situationsabhängige Kompression der zu übertragenden Daten
verbessert werden. Mit dem Telemedizin-Benchmark“ wurde ein standardisiertes Protokoll
zur vergleichenden Performanzmessung der Datenübertragung von Videokonferenzsystemen
entwickelt, das eine problemorientierte Systemauswahl aufgrund vergleichbarer Ergebnisse
ermöglicht.
Die diagnostische Tauglichkeit der in Videokonferenzen genutzten medizinischen Bilddaten ist
ausreichend bei genügend hoher Auflösung bei der Digitalisierung oder bei digitaler
Übernahme der Daten von der Modalität. Die Verfügbarkeit digitaler Informationen am
medizinischen Arbeitsplatz ist teilweise stark eingeschränkt und erschwert damit einen
effizienten Einsatz der Videokonferenztechnologie. Kosten-Nutzen-Analysen zeigen an
ausgewählten Szenarien, daß der Einsatz von Standardvideokonferenzsystemen zur
Kostensenkung im Gesundheitswesen beitragen kann. Der Datenschutz, zur Zeit einem
Telefongespräch äquivalent, wird beim momentanen Stand der Technik nur durch
Anonymisierung vollständig erreicht. Kurzfristig werden jedoch Standards zur Verschlüsselung
der Konferenzdaten implementiert werden. Der Organisationsaufwand für Videokonferenzen
darf nicht unterschätzt werden, insbesondere bei Mehrpunktkonferenzen. Die gewonnenen
Erfahrungen zur Organisation und Durchführung von Videokonferenzen wurden in einem
strukturierten Regelkatalog zusammengefaßt. Für Mehrpunktkonferenzen konnte ein effektives
Protokoll zur Sprechreihenfolge erstellt und etabliert werden. Eine Patientenbefragung ergab
trotz geringer Kenntnisse über Videokonferenzen eine hohe Akzeptanz gegenüber
Expertenkonsultationen mit diesem Medium, andererseits jedoch auch Unsicherheit in Bezug
auf den Datenschutz.
Unter Berücksichtigung der Evaluationsergebnisse lassen sich mögliche Einsatzgebiete in der
medizinischen Informatik identifizieren, wie z.B. medizinische Ausbildung,
Expertenkonsultationen zwischen Hausarzt und Facharzt, Teleradiologie, Prothesenplanung,
Kommunikation zwischen Zahnarztpraxis und Zahntechniker oder Korrespondenz
überregionaler Gesundheitsbehörden. Die künftige Rolle der Standardvideokonferenzsysteme
dürfte in abhörsicherer synchroner Multimediakommunikation als Ergänzung zu verschlüsselter
asynchroner Datenübertragung im Gesundheitswesen liegen.