Jochen Hans Peter Erhart
Dr. med.
Die akute präoperative Plasmapherese. Durchführbarkeit und Nutzen in der
Urologie.
Geboren am 04.06.1966 in Memmingen
Reifeprüfung am 28.06.1985 in Kempten
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1987 bis WS 1994/95
Physikum am 14.09.1989 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Altstätten/Schweiz und Karlsruhe
Staatsexamen am 07.11.1994 an der Universität Freiburg i. Br.
Promotionsfach: Anästhesie
Doktorvater: Prof. Dr. med. J. Motsch
Zur Beurteilung von Durchführbarkeit und Nutzen einer akuten präoperativen
Plasmapherese in der Urologie wurden im Rahmen einer prospektiv kontrollierten
Verlaufsstudie 30 Patienten untersucht. Sie mußten sich chirurgischen Eingriffen im
urogenitalen Bereich, die einen Blutverlust von mehr als 500 ml erwarten ließen,
unterziehen. Abhängig von den Ausgangslaborwerten und Begleiterkrankungen waren alle
Patienten zusätzlich für eine akute normovolämische Hämodilution vorgesehen.
15 Patienten erhielten eine präoperative Plasmapherese, die in einem Zeitraum von 1–5
Tagen vor der geplanten Operation erfolgte. Der bisher empfohlene Mindestabstand von 7
Tagen zwischen dem Zeitpunkt der Plasmapherese und dem Operationstermin, der die
Anwendung dieses Verfahrens in der Urologie bislang erschwerte, wurde damit
unterschritten.
Als Zielgröße wurden der perioperative Verlauf von Laborparametern der Gerinnung, des
Blutbilds, der Plasmaeiweiße und der Elektrolyte sowie der Blutverlust und die
Fremdblutgabe festgelegt. Die Laborparameter wurden vor und nach der Plasmapherese,
während der Operation stündlich und nach der Operation in Abständen von 2, 6, 24 und
48 Stunden gemessen. Die Plasmapherese erfolgte mit dem Plasma Collecting System der
Firma Haemonetics, wobei 10 ml Eigenplasma pro kg Körpergewicht gewonnen wurden.
Durch die Plasmapherese kam es zu keinen signifikanten Abweichungen der
Laborparameter, die auf einen nachteiligen Effekt der akuten Plasmapherese schließen
lassen könnten. In der Plasmapheresegruppe konnten signifikant erhöhte Werte für das
Fibrinogen im Serum 24 und 48 Stunden nach Operationsende festgestellt werden.
Signifikante Abweichungen durch höhere Serumkalium-Werte zeigte die
Plasmapheresegruppe zu Beginn der Operation und 24 Stunden nach Operationsende.
Hinsichtlich der Leukozytenzahl blieben die Werte der Plasmapheresegruppe 6 und 24
Stunden nach Operationsende signifikant unter denen der Kontrollgruppe. Alle anderen
erhobenen Werte unterschieden sich im perioperativen Verlauf nicht voneinander. Die
Patienten der Plasmapheresegruppe hatten einen Blutverlust von 1359 ml gegenüber dem
Blutverlust von 1647 ml in der Kontrollgruppe.
In der Plasmapheresegruppe konnte ein geringerer Bedarf an homologen
Transfusionsprodukten festgestellt werden: 4 Patienten benötigten insgesamt 14
Konserven homologes Erythrozytenkonzentrat. Ein Patient erhielt sein Eigenblut, welches
er unabhängig von der Studie gespendet hatte. In der Kontrollgruppe wurden 6 Patienten
16 Konserven homologes Erythrozytenkonzentrat transfundiert. Ein Patient bekam 3
Konserven homologes Fresh Frozen Plasma, ein weiterer Patient 1 Konserve Eigenblut.
Die Studie hat gezeigt, daß sich die Laborparameter nach Durchführung einer akuten
präoperativen Plasmapherese während des perioperativen Verlaufes nicht von den
Laborwerten der Kontrollgruppe unterscheiden. Es zeichnet sich eine Tendenz ab,
derzufolge Patienten durch eine kombinierte Anwendung von akuter präoperativer
Plasmapherese und normovolämischer Hämodilution einen geringeren Blutverlust erleiden
als Patienten, die sich nur einer normovolämischen Hämodilution unterziehen. Die
erzielten Ergebnisse lassen die Schlußfolgerung zu, daß eine Plasmapherese bis
einschließlich 1 Tag vor der Operation durchführbar ist. Eine Einsparung von Fremdblut
konnte durch die Studie nicht belegt werden.