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Regina Könnecke
Dr. sc. hum.
Bewältigungsmuster ungewollt kinderloser Männer
Geboren am 23.02.1961 in Hannover
Reifeprüfung am 01.06.1981
Studiengang der Fachrichtung Psychologie vom WS 1982/1983 bis WS 1989/1990
Vordiplom am 26.04.1985 an der Philipps-Universität Marburg/Lahn
Diplom am 20.10.1989 an der Freien Universität Berlin
Promotionsfach: Psychosomatik
Doktorvater: Prof. Dr. med. G. Rudolf
Im Rahmen eines Projekts zur Verarbeitung des unerfüllten Kinderwunsches von Männern
wurden mit 145 Männern vor Beginn der andrologischen Behandlung psychodynamische
Interviews geführt. Anhand einer Teilmenge dieser Interviews, von denen Transkripte
vorlagen, wurde ein Kategoriensystem entwickelt, mit dem insgesamt 80 Interviews
ausgewertet wurden. Das Kategoriensystem umfaßte einen weiten inhaltlichen Bereich und
ermöglichte es, das umfangreiche Interviewmaterial zu sortieren und in einem ersten Schritt zu
konzeptualisieren. Weitere qualitative Analysen, orientiert an der Methode der Grounded
Theory, führten zur Entwicklung der beiden Hauptkategorien Bedeutung des
Kinderwunschesund Bewältigungsmöglichkeiten. Die Dimensionierung der beiden
Hauptkategorien ermöglichte die Entwicklung von fünf Typen: drei bezogen sich auf das
Ausmaß der Ambivalenz des Kinderwunsches und zwei zeichnete das Vorhandensein/Nicht-
Vorhandensein von Ressourcen aus. Aufgrund des Vorkommens bestimmter Kategorien
wurden bei 23 Patienten Fallzuordnungen zu den Typen vorgenommen. Die Kombination der
Typen führte schließlich zu bestimmten Mustern, in denen das Ausmaß der Ambivalenz bzw.
der fehlenden Ambivalenz des Kinderwunsches mit dem Ausmaß der
Bewältigungsmöglichkeiten kombiniert vorlag. Ein wichtiges Ergebnis dieser Musterbildung
war die Beobachtung, daß vorhandene Bewältigungsmöglichkeiten in Verbindung mit allen
drei Typen des Kinderwunsches (besonders ambivalenzfreier, besonders ambivalenter und
ambivalenter Kinderwunsch) vorkamen, während fehlende Bewältigungsmöglichkeiten fast
ausschließlich in Verbindung mit einem besonders ambivalenzfreien Kinderwunsch auftraten.
Die Bedeutung dieses Ergebnisses für das Konzept des überwertigen Kinderwunsches“ wurde
diskutiert. Der nächste Schritt der Auswertung betraf die Analyse der vier Muster im Hinblick
auf das Erleben und die Verarbeitung der Kinderlosigkeit. Dazu wurden 15 Kategorien
ausgewählt, deren Auftreten in den 23 Transkripten geprüft wurde. Auf diese Weise konnten
die Patienten der 4 Muster in ihrem Erleben und Verhalten in Bezug auf den unerfüllten
Kinderwunsch beschrieben und miteinander verglichen werden. Die stärkste Belastung durch
die Kinderlosigkeit fand sich bei Männern mit einem besonders ambivalenzfreien Kinderwunsch
und wenig Bewältigungsmöglichkeiten, die aufgrund ihres eher hilflos anmutenden Umgangs
mit der Kinderlosigkeit die Bedürftigengenannt wurden. Die schwächste Belastung, aber
auch die auffälligsten Abwehrmechanismen, zeigten Patienten mit einem ambivalenten
Kinderwunsch und vorhandenen Bewältigungsmöglichkeiten, aus diesem Grund die
Problemlosenbezeichnet. Die dazwischen liegenden Gruppen unterschieden sich im Ausmaß
der Belastung und in der Variabilität des Umgangs damit. Eine Gruppe, die Flexiblen, zeigten
zwar Belastungen, aber auch eine flexible Umgangsweise damit. Sie waren durch einen
besonders ambivalenzfreien Kinderwunsch in Verbindung mit vorhandenen
Bewältigungsmöglichkeiten ausgezeichnet. Die andere Gruppe erschien weniger belastet,
führte aber auch weniger Strategien im Umgang mit der Kinderlosigkeit an. Die Patienten
dieser Gruppe zeichneten sich durch eine besonders ambivalente Haltung dem Kind gegenüber
aus, weswegen sie die Unentschlossenenbenannt wurden.
Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen
Copingprozessen und Abwehrmechanismen diskutiert. Dabei wurden Paralellen gezogen
zwischen bestimmten Abwehrmechanismen der Patienten („Abwehr durch Technisierung) und
einer entsprechenden Modellvorstellung in der Medizin, deren Einseitigkeit kritisiert wurde.
Schlußfolgernd ergeben sich einige Anregungen für die therapeutische Praxis:
Zusätzlich zur, jedoch unabhängig von der andrologischen Behandlung, sollte es für
Patienten die Möglichkeit geben, psychologische Hilfe bei der Auseinandersetzung mit dem
unerfüllten Kinderwunsch in Anspruch zu nehmen.
Die medizinische Betreuung ungewollt kinderloser Patienten sollte mehr als die Erfüllung
des (Kinder-) Wunsches im Blick haben. Zur Behandlung zählt neben der Entscheidung über
das Mittel oder die Methode auch eine Vorstellung über den zeitlichen Rahmen und damit
die Beendigung der Therapie mit der daran anschließenden Trauerarbeit und der Suche nach
Alternativen zum eigenen Kind.