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[de] (orig)
Daker-Andréa Dorofeeff Viana
Dr. med.
Ergebnisse bei kopferhaltender und prothetischer Versorgung von
Schenkelhalsfrakturen der alten Menschen
Geboren am 31.01.1964 in Sete Lagoas
Reifeprüfung am 20.12.1981 in Belo Horizonte
Studiengang der Fachrichtung Medizin von 1983 bis 1988
Staatsexamen am 14.12.1988 an der Universität Faculdade de Ciências Médicas de Minas
Gerais.
Promotionsfach: Chirurgie
Doktorvater: Prof. Dr. med. Wilhelm Friedl
Im Rahmen dieser Arbeit wurden die Krankenakten, Operationsberichte, Röntgenaufnahmen
und Ambulanzkarten sämtlicher 934 Patienten, die zwischen dem 01.01.1982 und dem
30.10.1992 an der Unfallchirurgischen Klinik der chirurgischen Universitätsklinik zu
Heidelberg an einer medialen Schenkelhalsfraktur operiert worden waren, ausgewertet.
Verschiedene Operationsverfahren kamen zur Anwendung. Grundsätzlich wurden die
kopferhaltenden Operationsmethoden und die Protheseversorgungen angewendet.
Da uns im Rahmen dieser Arbeit besonders die Restlebenserwartung und die funktionellen
Ergebnisse interessieren, wurden über Einwohnermeldeämter die Überlebenszeiten der
Patienten erfragt, sowie die noch lebenden Patienten beziehungsweise Angehörige, Hausärzte
und Pflegepersonen der bereits verstorbenen Patienten angeschrieben und per standardisierten
Fragenbogen über die zuletzt bestehende Qualität der Gehfunktion, Schmerzen, lokale
Bewegung, Belastung und Muskelkraft des Hüftgelenks, sowie eingetretenen
Spätkomplikationen befragt. Diese Daten wurden dann im Zusammenhang mit den Daten
über Patientenalter zum Unfallzeitpunkt, Geschlecht, Frakturtyp, Operationsverfahren,
operationstechnische Probleme, unmittelbar postoperativ aufgetretene Komplikationen,
Operationsintervall, Blutverlust, Operationszeit, Art der Anästhesie, stationären Aufenthalt
und Überllebensdauer ausgewertet.
Unser Ziel war es, sowohl positiv, als auch negativ beeinflußende Parameter in Bezug auf die
funktionellen Ergebnisse zu analysieren. Dabei konnte demonstriert wer den, daß jedes zur
Anwendung gekommene Operationsverfahren seine Schwachstellen, aber auch seine
bevorzugten Indikationen hat.
Desweiteren wurde deutlich, daß bei sämtlichen untersuchten Parameter das Patientenalter
eine grundsätzlich nicht zu eliminierende Variable darstellt.
Es ließ sich erwartungsgemäß kein optimales, universell bei allen Patienten und Frakturtypen
indiziertes beziehungsweise anwendbares Operationsmethode herauskristallisieren. Bei der
Indikationsstellung ist, neben dem genauen Frakturtyp, grundsätzlich auch das Patientenalter,
der Allgemeinzustand des Patienten und auch die zuvorbestehende Qualität der Gehfähigkeit
zu berücksichtigen.
Wenn die Protheseversorgung mit der Behandlung mittels kopferhaltenden
Operationsmethoden verglichen sind, stellt die Protheseversorgung -hauptsächlich in den
ältesten Altersgruppen- einen ungünstigeren Einfluß auf die Restlebenserwartung vor.
Bei den Kopferhaltenden Operationsmethoden haben das Alter, der Frakturtyp Pauwels I und
die Spinalanästhesie die Restlebenserwartung ungünstig beeinflußt.
Die kopferhaltenden Operationsmethoden haben die spätere Qualität der Gefunktion in
einiger Maß ungünstig beeinflußt. Bei diesen Operationsmethoden haben das Alter, der
Frakturtyp, die Operationsfehlern und das OP-Intervall die spätere Gehfunktion ungünstig
beeinflußt. Die Frühbehandlung stellt einen wichtigen günstigen Einfluß auf die spätere
Qualität der Gehfunktion.
Diese Operationsmethoden haben die spätere lokale Funktion des HÜftgelenks nicht
ungünstig beeinflußt. Das männliche Geschlecht, der Pauwels I Frakturtyp und die
chirurgische Frühbehandlung haben die spätere lokale Funktion des Hüftgelenkes günstig
beeinfluß, während die eingetretenen Spätkomplikationen und die Operationsfehlern die
spätere lokale Funktion ungünstig beeinflußt haben.
Die Behandlung mittels kopferhaltenden Operationsmethoden hat die Häufigkeit von
bestehender Schmerzen deutlich ungünstig beeinflußt. Das Alter, die eingetretenen
Spätkomplikationen sowie die operationstechnischen Problemen haben entweder die
Häufigkeit oder die Intensität der bestehenden Schmerzen oder beides ungünstig beeinflußt,
während der Pauwels I Frakturtyp, die gute Qualität der späteren Gehfähigkeit und der
späteren lokalen Funktion des Hüftgelenks, einen günstigen Einfluß darauf hatten.
Nur bei 6,9% der mittels kopferhaltenden Operationsmethoden versorgten Patienten traten
lokale Frühkomplikationen auf. Die chirurgische Frühbehandlung und ein längerer als 3
Wochen Behandlungsdauer hängen mit einer höheren Häufigkeit von solchen
Komplikationen zusammen. Die Häufigkeit dieser lokalen Frühkomplikationen, sowie die
Häufigkeit der allgemeinen Frühkomplikationen sind im Vergleich mit verschiedenen
Literaturangaben bei uns durchaus günstig. Die allgemeinen Frühkomplikationen kamen bei
12,2% der Patienten vor, und 56,3% dieser Komplikationen waren Decubitus. Die jüngeren
als 81 Jahre Patienten, ein Blutverlust höher als 1000 Ml., eine OP-Zeit länger als 90 Min.
und kürzer als 76 Min. und ein längeres als 7 Tage OP-Intervall haben einen ungünstigen
Einfluß auf die Häufigkeit von allgemeinen Frühkomplikationen. Ein länger stätionäre
Aufenthalt hängt mit einer höheren Häufigkeit von allgemeinen Frühkomplikationen
zusammen.
Die Häufigkeit von Spätkomplikationen bei den Patienten, die mittels kopferhaltenden
Operationsverfahren behandelt wurden beträgt 40% und ist als hoch anzusehen. Der Pauwels
II Frakturtyp, die jüngeren Patienten, das männliche Geschlecht und ein längeres als 7 Tage
OP-Intervall hängen mit einer höheren Häufigkeit von Spätkomplikationen zusammen.
Bei den Patienten, die mittels Prothese versorgt wurden, hat das Alter die
Restlebenserwartung deutlich beeinflußt. Das weibliche Geschlecht, der Pauwels III
Frakturtyp und die chirurgische Frühbehandlung -alle drei mit Berücksichtigung von Alter-
haben die Restlebenserwartung eindeutig günstig beeiflußt. Eine gute Qualität der
Gehfunktion vor Unfallereignis und zum Untersuchungsabschluß haben die
Restlebenserwartung günstig beeinflußt.
Bei den prothetischen Versorgungen hängt die HEP mit der schlechtesten Qualität der
Gehfähigkeit zum Untersuchungsabschluß zusammen. Der Anteil an gehfähigen Patienten
zum Untersuchungsabschluß bei denjenigen, die mittels Prothese versorgt wurden, kann als
hoch bei einer so schweren Fraktur, wie die mediale Schenkelhalsfraktur, angesehen werden.
Die Erhöhung des Patientenalters zum Eintritt der Fraktur, der Pauwels I Frakturtyp, die
operationstechnischen Problemen, die verspätete chirurgische Behandlung, sowie die
Spätkomplikationen hatten einen ungünstigen Einfluß auf die Gehfähigkeit zum
Untersuchungsabschluß.
Die prothetischen Versorgungen hängen mit einem ziemlich hochen Anteil an Patienten mit
guter lokalen Funktion des Hüftgelenks zum Untersuchungsabschluß zusammen, wenn wir in
Kauf nehmen, daß die mediale Schenkelhalsfraktur so eine schwere Verletzung ist. Die
schlimmste spätere lokale Funktion hängt mit der Behandlung mittels HEP zusammen. Ein
Alter höher als 76 Jahre zum Eintritt der Fraktur -bis auf die Ausnahme der älteren als 90
Jahre Patienten-, das weibliche Geschlecht, eine verspätete chirurgische Behandlung, die
lokale Frühkomplikationen, die Spätkomplikationen sowie die operationstechnischen
Problemen hatten auf die spätere Qualität der lokalen Funktion des Hüftgelenks einen
ungünstigen Einfluß.
Bei den mittels Prothese behandelten Patienten hat ein Alter höher als 75 Jahre zum Eintritt
der Fraktur -bis auf die Ausnahme des Patientenalters höher als 90 Jahre-, der Frakturtyp
Pauwels II, die verspätete chirurgische Behandlung, die eingetretenen Spätkomplikationen,
die OP-Fehlern, der Fraktureintritt, sowie die Behandlung mittels HEP oder zementierten
TEP die Häufigkeit oder die Intensität der bestehenden Schmerzen oder sogar beides
ungünstig beeinflußt.
Der Anteil an lokaler Frühkomplikationen bei der Protheseversorgung ist im Vergleich mit
verschiedenen Literaturangaben bei uns durchaus günstig, und schwankt zwischen 5,6% bei
zementloser TEP und 8,4% bei zementierter TEP. Ein Alter über 85 Jahre zum Eintritt der
Fraktur, die verspätete chirurgische Behandlung, ein länger stationäre Behandlungsdauer und
der Pauwels II Frakturtyp hatten einen nachteiligen Einfluß auf die Häufigkeit lokaler
Frühkomplikationen.
Ein ziemlich hohe Anteil der Patienten (19,6%), die mittels Prothese versorgt wurden, haben
allgemeine Frühkomplikationen entwickelt. Die Häufigkeit der allgemeinen
Frühkomplikationen war höher nach Anwendung der HEP als der TEP. Ein Alter über 75
Jahre zum Eintritt der Fraktur, ein Blutverlust höher als 1000 Ml., ein langer stationäre
Behandlungsdauer und die verspätete chirurgische Behandlung hatten einen ungünstigen
Einfluß auf die Häufigkeit von allgemeinen Frühkomplikationen.
Nach den prothetischen Versorgungen hat nur einen kleinen Anteil der Patienten (4,4% der
ausgewerteten Fällen) Spätkomplikationen entwickelt. Keinen wesentlichen Unterschied
zwischen den Häufigkeiten von Spätkomplikationen bei HEP und zementierter TEP
festgestellt wurde, während bei zementloser TEP keinen Spätkomplikation auftrat. Der
Pauwels II und III Frakturtypen, das männliche Geschlecht, die verspätete chirurgische
Behandlung, eine längere als 90 Min. OP-Zeit sowie die operationstechnischen Problemen
hatten einen nachteiligen Einfluß auf die Häufigkeit von Spätkomplikationen.