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Stefan Peter Pfeiffer
Dr. med.
Dendritische Zellen beim multiplen Myelom: In vitro Kultivierung dendritischer Zellen
aus peripheren mononukleären Blutzellen von Patienten mit multiplem Myelom
Geboren am 04. Juni 1971 in Karlsruhe
Reifeprüfung am 30. Oktober 1990 in Kapstadt / Südafrika
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1992/93 bis SS 1999
Physikum am 29. März 1994 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg und London / Großbritannien
Praktisches Jahr in Heidelberg und Kapstadt / Südafrika
Staatsexamen am 12. Mai 1999 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Medizin / Innere Medizin
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. H. Goldschmidt
Durch Chemotherapie und dosiseskalierte Behandlung konnte die Prognose für Patienten mit
multiplem Myelom in den letzten 30 Jahren verbessert werden. Jedoch führten diese
Behandlungen zu keinem Plateau der Überlebenszeit. Neue Therapieverfahren werden
gesucht, um Patienten mit multiplem Myelom zu heilen. Eine dieser Strategien ist das
Auslösen von immunologischen Antitumorreaktionen. Die neoplastischen Plamazellen
sezernieren ein monoklonales krankheitstypisches Immunglobulin und kommen somit als
Zielzellen für das Immunsystem in Frage. Um Patienten mit multiplem Myelom
immuntherapeutisch zu behandeln, ist eine verstärkte Stimulation von T-Zellen
Voraussetzung. Der Erfolg dieser Aktivierung hängt maßgeblich von optimaler
Antigenpräsentation und Kostimulation ab. Dendritische Zellen werden als die stärksten
antigenpräsentierenden Zellen betrachtet.
In dieser Studie wurden dendritische Zellen in Flüssigkultur mit GM-CSF, SCF, IL-4 und flk-
2/flt-3-Ligand kultiviert. Als Ausgangspopulation wurden adherente PBMC von 10 Patienten
mit multiplem Myelom und 10 gesunden Blutspendern verwendet. Die Kulturen wurden mit
9,38 ± 2,19x105 adherenten PBMC begonnen. Durchfluß-zytometrische Untersuchungen
dieser Zellen zeigten T-Lymphozyten (13,35-45,95%) und Monozyten-Makrophagen (76,68-
56,55%) in der Kultur. Die Erträge der Kulturen von Patienten und Probanden wurden nach
10 Tagen verglichen. In den Patientenkulturen wurden durchschnittlich 1,97x106 Zellen, in
den Probandenkulturen 1,83x106 Zellen ausgezählt. Der statistische Vergleich ergab keinen
signifikanten Unterschied (p=0,53). Durchfluß-zytometrisch konnten bei den Patienten
8,19x105 dendritische Zellen (41% der kultivierten Leukozyten) und bei den Probanden
9,87x105 dendritischen Zellen (51% der kultivierten Leukozyten) nachgewiesen werden. Der
Vergleich dendritischer Zellzahlen ergab ebenfalls keinen signifikanten Unterschied zwischen
der Patientengruppe und der Probandengruppe (p=0,53).
Um die kultivierten dendritischen Zellen von Patienten und Probanden genauer zu
charakterisieren, wurden sie durchfluß-zytometrisch phänotypisiert. Dabei wurden
dendritische Zellen als CD1a-positiv, HLA DR-positiv, CD80-positiv, und CD14-negativ
definiert. Bei der mikroskopischen Beurteilung der kultivierten Zellen wurden große Zellen
mit dendritischen Fortsätzen und feiner Granulierung als dendritische Zellen gewertet. Die
Anzahl mikroskopisch definierter dendritischer Zellen korrelierte mit der Anzahl der
phänotypisch definierten dendritischen Zellen.
Die Stimulationskapazität kultivierter dendritischer Zellen wurde mittels Thymidin-
Inkorporationsassays getestet. Diese dendritischen Zellen waren in der Patientengruppe und
der Probandengruppe effektivere Stimulatoren der primären, allogenen gemischten
Leukozyten-Reaktion als die PBMC des gleichen Individuums. Ein statistischer Vergleich der
Stimulationskapazitäten von Patienten- und Probanden-Zellgut ergab keinen signifikanten
Unterschied (p=0,76).
Weiter wurde ein Versuchsaufbau dokumentiert, in dem kultivierte mit Myelom-Protein
beladene (pulsed) dendritische Zellen in vitro autologe, naive T-Zellen in einem Thymidin-
Inkorporationsassay stimulierten. In diesem In-Vitro-Modell zeigten wir, daß autologe T-
Zellen von Myelom-Protein beladenen dendritischen Zellen zur Proliferation angeregt werden
können. Inwiefern dies in vivo möglich ist, soll in weiteren Experimenten untersucht werden.
Hsu et al. behandelte erfolgreich Patienten mit B-Zell-Lymphom immuntherapeutisch mit
kultivierten dendritischen Zellen. Potentiell ist dies auch bei Patienten mit multiplem Myelom
möglich.
Unsere Ergebnisse zeigen, daß dendritische Zellen aus peripheren Blutzellen von Patienten
mit multiplen Myelom kultiviert werden können. In den funktionellen Tests zeichnen sich
diese durch starke Stimulationskapazität in Thymidin-Inkorporationsassays aus. Dendritische
Zellen von Patienten mit multiplem Myelom unterscheiden sich weder in Phänotyp noch in
Funktion von dendritischen Zellen, die aus peripheren Blutzellen von gesunden Blutspendern
kultiviert wurden.