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Kurzfassung der Promotion
Michael Schulz
Dr.med.
Jahreszeitliche Abhängigkeit und antioxidative Systeme der Präeklampsie an einem
Referenzkrankenhaus in Zimbabwe
Geboren am 14.November 1969 in Heidelberg
Abitur am 25. April 1989 in Walldorf
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1991 bis SS 1998
Physikum am 26. März 1993 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 13. Mai 1998 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Frauenheilkunde
Doktorvater: Dr.med. Jürgen Wacker
Trotz intensiver Nachforschungen ist es bisher nicht gelungen, den genauen
Pathomechanismus und die Entstehung der Präeklampsie zu klären. Neben Veränderungen im
Renin-Angiotensin-Aldosteron System steht auch die Belastung durch oxidativen Streß und
die Frage nach dem Zusammenhang zur Ernährung der Schwangeren im Vordergrund.
Eine Jahreszeitliche Abhängigkeit der Inzidenz, die in Zusammenhang mit der Ernährungslage
der Frauen liegen kann wurde gehäuft beobachtet. Wir untersuchten deshalb die Häufigkeit
der Präeklampsie über einen Zeitraum von vier Jahren im südlichen Zimbabwe an zwei
district hospitals. Die Ergebnisse bestätigten unsere Vermutungen. Vornehmlich am Ende der
Trockenzeit und in den ersten Monaten der Regenzeit kam es zu einem signifikanten Anstieg
der Inzidenz. Auch liegt in dieser Zeit der Wechsel vom kühleren Winter zum deutlich
wärmeren Sommer.
Inwieweit die klimatischen Fakoren wie Niederschlag bzw. Luftfeuchtigkeit und Temperatur
einen direkten Einfluß auf die Entstehung der Erkrankung haben bleibt fraglich. Ein
möglicher Zusammenhang über die Ernährungslage der Frauen ist wahrscheinlich,
berücksichtigt man die Lebensumstände in dieser Zeit. Die Mehrzahl der Menschen in diesem
Gebiet leben von Subsistenzwirtschaft. Am Ende der Trockenzeit kommt es in diesen
niederschlagsarmen Gegenden zu einer Einschränkung der Ernährungsversorgung. Ein Defizit
verschiedener Vitamine und anderer Nahrungsbestandteile ist wahrscheinlich, die das
Entstehen der Erkrankung begünstigen oder beschleunigen können. Außerdem bedeutet die
näherrückende Regenzeit eine erhöhte Arbeitsbelastung für die Frauen, da jetzt die Felder für
die neue Anbauperiode vorbereitet werden müssen.
Diese Aspekte können selbstverständlich nicht alleinig für die Entstehung dieser Erkrankung
verantwortlich sein, doch sie könnten eine vorbestehende Neigung für diese Erkrankung
unterstützen und die Manifestation fördern.
Um einen genaueren Einblick in das System der oxidativ- und antioxidativ wirksamen Stoffe
zu bekommen, wurden parallel zwei Protokolle durchgeführt. Das Erste bestand aus einer
prospektiven Untersuchung, bei der noch unauffälligen, gesunden schwangeren Frauen Blut
entnommen wurde. Vierzehn dieser Frauen entwickelten im weiteren Verlauf ihrer
Schwangerschaft eine Präeklampsie, und ihr bereits gewonnenes Blut wurde nach Beendigung
der Schwangerschaft zur Analyse herangezogen. Um Vergleichswerte zu besitzen, wurde von
einer gematchten, gesunden Kontrollgruppe Schwangerer ebenfalls Blut gewonnen.
Das zweite Protokoll sah vor, bei Schwangeren, die bereits eine manifeste Präeklampsie
besaßen Blut zu gewinnen und zu analysieren. Auch zu dieser Gruppe, die aus zwölf
Patientinnen bestand, wurde nach den gleichen Kriterien eine Kontrollgruppe gesucht.
In der prospektiven Studie wurden die Parameter Gesamtglutathion im Vollblut und in den
Erythrocyten, Glutathionperoxidase in den Erythrocyten und der totale antioxidative Status
bestimmt. Für das zweite Protokoll war nur eine Bestimmung des totalen, antioxidativen
Status vorgesehen.
Die Ergebnisse der prospektiven Studie weisen darauf hin, daß bereits vor klinischer
Manifestation der Erkrankung Veränderungen im antioxidativen Stoffwechsel ablaufen. Wir
konnten nachweisen, daß sowohl die Gesamtglutathionkonzentration im Vollblut als auch in
den Erythrocyten in der Patientengruppe signifikant niedriger ist, als in der Kontrollgruppe.
Diese Beobachtung legt den Verdacht nahe, daß es zu einem Verbrauch dieses wichtigen,
intrazellulären Antioxidans vor Symptomentwicklung kommt. Die Glutathionkonzentration in
den Erythrocyten war weniger deutlich, aber immer noch signifikant reduziert. Die
Plasmareserven des Glutathion werden also zuerst aufgebraucht, bevor erythrocytäres
Glutathion oxidiert wird.
Bei der Glutathionperoxidaseaktivität und dem totalen, antioxidativen Status ergaben sich
keine signifikanten Unterschiede. Offensichtlich handelt es sich bei Glutathion um einen
sensiblen Parameter, der frühzeitig auf die Einwirkung von oxidativem Streß reagiert.
Im zweiten Protokoll fanden wir eine deutlich signifikante Erhöhung des totalen,
antioxidativen Status in der präeklamptischen Gruppe. Dies wurde auch bereits von anderen
Autoren berichtet und deutet darauf hin, daß bei manifester Erkrankung sich der Körper in
einem Zustand befindet, in dem die antioxidativ wirksamen Plasmabestandteile im Sinne einer
kompensatorischen Reaktion erhöht sind. Eine solche Reaktion des Stoffwechsels wurde auch
bereits bei anderen Erkrankungen beschrieben. Es muß aber berücksichtigt werden, daß der
antioxidative Status oft durch erhöhte Harnsäurewerte und andere Plasmabestandteile
bestimmt wird, und unklar ist, inwieweit diese Stoffe in vivo bei der Lipidperoxidation, die in
der fettlösliche Phase abläuft, in der Lage sind diese Oxidierung zu verhindern.