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WWW-basiertes Datenbankangebot
der Universitätsbibliothek Heidelberg
Leonhard Maylein
Einleitung
Die Universitätsbibliothek Heidelberg bietet zur Zeit (Stand: September 1999) 105
lizenzpflichtige Datenbanken an, die vom gesamten Campus aus über das WWW genutzt
werden können. Diese sind über die Rubrik HELIOS/Datenbanken1 auf dem WWW-Server
der Universitätsbibliothek sowohl aus einer nach Fachrichtungen geordneten als auch einer
alphabetischen Aufstellung heraus aufrufbar. In dieser Rubrik finden sich außerdem 45 frei
verfügbare WWW-Datenbanken.
Für den Beginn des nächsten Jahres ist vorgesehen, die bisherige Einschränkung der
Datenbanknutzung auf den Campus der Universität Heidelberg aufzuheben und allen
Universitätsangehörigen einen weltweiten Zugriff über eine Benutzerauthentifizierung2 zu
ermöglichen.
Die Bereitstellung eines solch großen Datenbankangebots bringt aus technischer Sicht zwei
wesentliche Probleme mit sich: Zum einen spiegelt sich die Anzahl der Datenbanken in der
Vielfalt der verwendeten Retrievalprogramme wider. Hierbei müssen häufig nicht nur
spezielle Betriebssystem- und Installationsvoraussetzungen beachtet werden sondern auch
verschiedene Verfahren zur Bereitstellung der Datenbanken im Netz eingesetzt oder
entwickelt werden. Auf der anderen Seite ist aufgrund der großen Zahl von Datenbanknutzern
auf der Clientseite eine stark heterogene Rechner- und Betriebssystemlandschaft abzudecken.
Um dieses Problem zu lösen, müssen weitgehend plattformunabhängige Datenbankzugänge
geschaffen werden
Datenbankzugänge
Bei den Datenbankzugängen kann zum einen nach der bereitstellenden Organisation, d. h.
danach, von wem eine Anwendung installiert und gepflegt wird, unterschieden werden.
Daneben lassen sich die Zugänge auch nach den für die Bereitstellung im Netz eingesetzten
technischen Verfahren unterscheiden.
Datenbankbereitstellung:
Bei den lizenzpflichtigen Datenbanken können bezüglich der Bereitstellung drei Gruppen
unterschieden werden:
Universitätsbibliothek Heidelberg:
Mit 87 Anwendungen wird der Großteil der Datenbanken von der Universitätsbibliothek
selbst bereitgestellt und es werden regelmäßig Updates eingespielt. Die Update-Zyklen
der einzelnen Datenbanken bewegen sich in einer Bandbreite von wöchentlich bis
jährlich.
1 http://www.ub.uni-heidelberg.de/epub
2 Diese Authentifizeriung erfolgt über eine Benutzerkennung, die für alle
zugangsbeschränkten elektronischen Dienstleistungen der Universitätsbibliothek verwendet
wird.
Originalveröff. in: Theke 1999
Regionale Datenbank-Information Baden-Württemberg (ReDI):
Anfang 1998 haben im Rahmen des ReDI-Projekts die landesweiten Datenbankserver an
den Universitäten Freiburg und Stuttgart ihren Betrieb aufgenommen. Das ReDI-Projekt
umfaßt nicht nur ein Einkaufskonsortium für Datenbanken, an dem sich alle Hochschulen
des Landes beteiligen können, sondern bietet unabhängig von Einkaufsfragen auch die
Möglichkeit, Datenbanken für mehrere Hochschulen an zentraler Stelle aufzulegen. Diese
Datenbanken werden vom ReDI-Team installiert und aktualisiert. Der Benutzer-Support
für diese Datenbanken liegt jedoch weiterhin bei den nutzenden Einrichtungen, d. h. für
die Universität Heidelberg bei der Universitätsbibliothek. Die Behebung von technischen
Problemen auf Seiten der Server erfolgt durch das ReDI-Team.
Die Vorteile eines zentralen Datenbankangebots liegen insbesondere in der Vermeidung
von mehrfachen lokalen Installationen in den einzelnen Hochschulen. Um diese Vorteile
zu optimieren, ist geplant, weitere Datenbanken aus dem UB-Angebot an ReDI
abzugeben. Aus Heidelberger Sicht wäre es insbesondere wünschenswert, daß einzelne
Zugangsverfahren komplett durch ReDI abgedeckt würden. Nur so ließe sich der
Betreuungsaufwand vor Ort deutlich senken.
Für den Datenbanknutzer ist es unerheblich, ob die gewünschte Anwendung lokal oder
extern angeboten wird. Die Universitätsbibliothek bemüht sich, die von ihr angebotenen
Datenbanken in der Funktionalität entsprechend den ReDI-Datenbanken zu gestalten. Dies
trifft insbesondere auf die Mehrwertdienste zu, die im nächsten Kapitel angesprochen
werden.
Durch den konsortialen Einkauf von Datenbanken hat sich das Datenbankangebot der
Universitätsbibliothek Heidelberg um die vier großen Datenbanken „ABI/Inform,
Beilstein, Swetscanund INSPECerweitert. Zur Zeit beschränkt sich die Menge der
für die Universität Heidelberg über ReDI angeboten Datenbanken auf die 13 konsortial
eingekauften Anwendungen.
Kommerzielle Anbieter:
Als dritte Variante sollen noch die kommerziellen Fremdanbieter genannt werden. Diese
stellen Ihre Datenbanken auf eigenen Servern im WWW zur Verfügung. Die
Universitätsbibliothek Heidelberg bezieht fünf Datenbanken auf diesem Weg.
Abbildung 1: Anzahl der Datenbanken pro Bereitstellergruppe
Zugangsverfahren:
Bis auf fünf Anwendungen, bei denen dies aus technischen Gründen nicht möglich ist, bietet
die Universitätsbibliothek sämtliche lizenzpflichtigen Datenbanken über das World Wide
Web (WWW) an. Voraussetzung für deren Nutzung ist lediglich ein javafähiger WWW-
Browser. Durch die Nutzung von weitgehend standardisierten Techniken (HTTP, Java, etc.)
wird gewährleistet, daß die Anwendungen trotz der Heterogenität der von den
Datenbanknutzern eingesetzten Rechner- und Betriebssysteme von einer möglichst großen
Zahl der am Campusnetz angebundenen Arbeitsplatzrechner aufgerufen werden können. Eine
Installation vor Ort ist hier nicht mehr notwendig.
Ältere Techniken, die diesen Vorteil nicht bieten (CD-Manager, Spirs-Clienten), wurden im
Laufe dieses Jahres deshalb abgebaut, so daß nun mit Ausnahme des Telnet-Zugangs zu
Juris Onlineausschließlich die WWW-basierten Zugänge bereitgestellt werden.
In Bezug auf die der WWW-Integration zugrundeliegenden Techniken können drei Typen
unterschieden werden:
Unix-Datenbanken mit WWW-Gateway:
Diese Datenbanken der Firmen Silverplatter (WebSpirs) und Ovid werden auf
Datenbankservern unter einem Unix-Betriebssystem installiert. Die Benutzerschnittstelle
bildet ein auf dem Datenbankserver oder einem anderen Rechner installiertes WWW-
Gateway, das die Suchanfragen des Benutzers an die Datenbank weiterleitet und für die
Aufbereitung der Rechercheergebnisse sorgt. Die WWW-Gateways bieten die
Möglichkeit, diese Ergebnisse zu speichern, zu drucken oder als Mail zu verschicken.
Außerdem stellen sie verschiedene Mehrwertdienste zur Verfügung, die im Kapitel
Mehrwertdienste und Integration verschiedener Dienstedargestellt sind.
Windows- und DOS-Datenbanken auf Applikationsserver:
Von ihrer Anzahl her stellen die Windows- und DOS-Datenbanken die größte Gruppe dar.
Es handelt sich hierbei um zur Zeit 83 Anwendungen für die Betriebssysteme DOS,
Windows 3.x, Windows 9x oder Windows NT. Bei ihnen ist die technische Realisierung
der WWW-Integration schwieriger, da die Datenbankhersteller hier keine
Standardlösungen anbieten.
An der Universitätsbibliothek Heidelberg wurde deshalb ein Verfahren entwickelt, das
eine solche Integration inklusive der Druck- und Exportmöglichkeit erlaubt. Es beinhaltet
außerdem eine Authentifizierungs- und Authorisierungskomponente. Diese sorgen dafür,
daß eine Datenbank nur von dem berechtigten Personenkreis bzw. nur von berechtigten
Arbeitsplätzen aus aufgerufen werden kann. Die Anzahl der parallelen Zugriffe kann –
entsprechend der mit den Datenbankherstellern geschlossenen Lizenzverträge – ebenfalls
eingeschränkt werden. Kernstück dieses Verfahrens bilden vier Applikationsserver unter
Windows NT 3.51, auf denen die Datenbankanwendungen ausgeführt werden. Über ein
Java-Applet wird die Datenbanksitzung in den WWW-Browser des Anwenders projiziert.
Abbildung 2: Projektion einer Windows-Anwendung in einen WWW-Browser
An der Universität Freiburg wurde parallel unter dem Namen INFOBASE+ eine ähnliches
Verfahren entwickelt, das im ReDI-Projekt Anwendung findet.
WWW-Datenbanken:
Die Retrievalkomponenten dieser Datenbanken sind direkt als WWW-Anwendung
programmiert3 und in der Regel zusammen mit den eigentlichen Daten auf Servern des
Datenbankherstellers installiert.
Da diese Datenbanken über weltweit zugänglichen Servern im WWW abrufbar sind,
benötigen sie einen Zugriffsschutz, der nur lizenzierten Benutzern den Zugang ermöglicht.
Meist bieten die Hersteller sowohl den Zugriffsschutz über Passworte als auch die
Beschränkung auf bestimmte Rechneradressen bzw. Adressbereiche an. Dieses Verfahren
wird auch IP-Adressen basierte Authorisierunggenannt.
3 z.B. in Form von CGI-Skripten
Bei größeren Nutzergruppen - wie der Universität Heidelberg - ist ein Passwortschutz
nicht sehr sinnvoll, da jedem potentiellen Nutzer das entsprechende Passwort mitgeteilt
werden müßte und gleichzeitig sichergestellt werden müßte, daß Unberechtigte dieses
nicht nicht in Erfahrung bringen können.
Bei der IP-Adressen basierten Authorisierung wird aus organisatorischen Gründen
zumeist so vorgegangen, daß den verschiedenen Datenbankanbietern nur einige wenige
Rechneradressen von sogenannten Proxy-Servern mitgeteilt werden, die dann zum
Datenbankzugriff berechtigt sind. Um eine Datenbank aufrufen zu können, muß der
Benutzer dann seinen WWW-Browser dazu bringen, indirekt über einen solchen Proxy-
Server (z.B. über den Proxy-Server der Universitätsbibliothek) auf die Datenbank
zuzugreifen. Dies kann über die Konfigurationseinstellungen des WWW-Browsers
festgelegt werden. Der Proxy-Server muß für diesen Zweck so eingestellt sein, daß er nur
die Anfragen von berechtigten Rechnern weiterleitet.
Abbildung 3: Anzahl der Datenbanken pro Zugangsart
Mehrwertdienste und Integration verschiedener Dienste
Die im folgenden vorgestellten Mehrwertdienste stehen nur für die WWW-Gateways der
Unix-Datenbanken zur Verfügung. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Produkte im Bereich
der Windows- und DOS-Datenbanken sind für diese ähnliche Angebote in naher Zukunft nur
in Einzelfällen zu erwarten
Speichern von Suchanfragen
Die WWW-Gateways erlauben es, einmal eingegebene Suchanfragen zu speichern und bei
der nächsten Datenbanksitzung erneut zu laden, gegebenenfalls zu verändern und
auszuführen. Dadurch kann insbesondere bei komplexeren Suchanfragen eine deutliche
Arbeitsersparnis erreicht werden.
Automatische Ausführung von Suchanfragen
Eine Erweiterung zur Speicherung von Suchanfragen bieten die Auto-Alert-Funktionen der
WWW-Gateways. Mit deren Hilfe ist es möglich, gespeicherte Suchanfragen automatisch bei
jedem Update der Datenbank auf die jeweils neuen Datenbanksegmente ausführen zu lassen.
Der Ergebnisse dieser automatischen Recherche werden dem Benutzer anschließend per E-
Mail zugeschickt.
Local Holdings/Dokumentlieferdienste
Die Local-Holdings-Funktionen der WWW-Gateways erlauben es, sich zu jedem
recherchierten Zeitschriftenaufsatz anzeigen zu lassen, ob und wenn ja wo in Heidelberg die
zugehörige Zeitschrift vorhanden ist. Die Anzeige der Local Holdingsist sowohl für die
direkt durch die UB als auch die über ReDI angebotenen Unix-Datenbanken zur Zeit so
realisiert, daß über einen Link im recherchierten Datensatz eine Anfrage beim Heidelberger
Zeitschriftenverzeichnis (HZV) gestartet und das Ergebnis in einem eigenen Browserfenster
angezeigt wird.
Wird die Zeitschrift im HZV gefunden und gehört diese zu der über HELIOS/EDD, den
elekronischen Dokumentlieferdienst der Universitätsbibliothek, bestellbaren
Zeitschriftenmenge, so kann der Benutzer in einem weiteren Link direkt eine
Aufsatzbestellung aufgeben, ohne daß er die Zeitschriftendaten erneut eingeben muß. In der
Regel erhält er den so bestellten Aufsatz binnen 24 Stunden.
Abbildung 4: Integration eines Aufsatzlieferdienstes in eine bibliographische Datenbank
Datenbanknutzung
Das folgende Schaubild zeigt die durchschnittliche Aufrufzahlen pro Monat der zehn
meistgenutzten Datenbanken an der Universität Heidelberg. Auffallend ist insbesondere der
große Abstand, mit dem die Datenbank Medline diese Rangliste anführt.
Abbildung 5: Top Ten der meistgenutzten Datenbanken – Durchschnittliche monatliche
Aufrufzahlen
Das nächste Diagramm zeigt die Gesamtzahl der Datenbankaufrufe aus der Universität
Heidelberg vom Januar 1998 bis zum August 1999. Darin spiegelt sich nicht nur steigende
Datenbanknutzung – erkennbar beispielsweise an der Verdoppelung der Aufrufzahlen im
Januar 1999 im Vergleich zum Vorjahr – sondern auch ein deutlicher Rückgang der Nutzung
in den Semesterferien und der Weihnachtszeit wider.
Abbildung 6: Gesamtaufrufzahlen nach Monaten