Stephan Ulrich Ziehms
Expression von Bindungsstellen endogener Lektine und Neoglykoproteine bei
Bronchialkarzinomen, Pleuramesotheliomen und tumorfreiem Lungengewebe
Geboren am 25 06. 1968 in Karlsruhe
Reifeprüfung am 21.05. 1987 in Karlsruhe
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1989 bis SS 1996
Physikum am 18. 03. 1991 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Karlsruhe
Staatsexamen am 30. 04. 1996 an der Universität Freiburg
Promotionsfach: Pathologie
Doktorvater: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. K. Kayser
Es wurden in Paraffin eingebettete Gewebeschnitte von jeweils 20 Patienten mit folgenden
Tumoren ausgewählt: epidermoidale, Adeno-, kleinzellige und großzellige
Bronchialkarzinome sowie Pleuramesotheliome. Tumorfreie Lungengewebe dienten zu
Kontrollzwecken. Diese wurden ligando- und immunhistochemisch mit Träger-
immobilisierten Lektinen, Neoglykoproteinen sowie humanen Anti-Saccharid-Anti-körpern
und einem polyklonalen anti-heparinbindendes-Lektin-Antikörper auf ihre
Bindungskapazitäten untersucht.
Zusätzlich wurde an einem Teil der Schnitte eine quantitative syntyktische Strukturanalyse
bezüglich der Intensität der Ligandenexpression und der räumlichen Assoziation der
untersuchten Zellen durchgeführt.
Eine Unterscheidung zwischen tumorösem und nicht-tumorösem Lungengewebe war durch
eine histochemische Untersuchung mit den markierten Proben SAP und LACAB möglich, die
im Tumorgewebe signifikant mehr Liganden aufwiesen. Eine Differenzierung zwischen
kleinzelligen und nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinomen war durch die Verwendung von
VAA und C16 möglich, wobei die nicht-kleinzelligen Karzinome häufiger Bindungsstellen
aufwiesen.
Das auffälligste Ergebnis waren die stark divergierenden Ergebnisse der Untersuchungen mit
dem humanen Anti-α-Galaktose-Autoantikörper und seiner auf α+ selektionierten
Subfraktion, insbesondere bei den Adenokarzinomen. Deren konträres Reaktionsverhalten
steht vermutlich in Zusammenhang mit ihrer Biotinylierung über N-Hydroxysuccinimdester
(NHS). Auch eine therapeutische Nutzung der hohen selektiven Affinität des Antikörpers
GALSUB an Adenokarzinome erscheint denkbar.
Prognostische Aussagekraft über die Überlebenszeit von Patienten mit nicht-kleinzelligen
Bronchialkarzinomen hatten die folgenden Analysen:
Die Expression von Bindungsstellen für C16 stellte einen positiven prognostischen Faktor bei
Patienten unter 60 Jahren oder bei Diagnosestellung in einem fortgeschrittenen Tumorstadium
dar.
Ältere Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom, deren Tumorgewebe das α-
Galaktosyl-Epitop (durch GALAB nachgewiesen) aufwies sowie jüngere Patienten mit
nachweisbarem heparinbindendes Lektin (durch den Antikörper BEA), zeigten ein signfikant
längeres postoperatives Überleben als solche ohne diese Charakteristika.
Bei kleinzelligen Bronchialkarzinomen stellte nur die Bindung an α-Glukose eine positive
Korrelation mit der Überlebenszeit der Patienten dar. Bei Untersuchungen an Mesotheliomen
zeigte das Ligandenexpressionsmuster des Tumorgewebes in keinem Falle einen deutlichen
Einfluß auf die Prognose.