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Sonja Elisabeth Wolf
Dr. med.
Chlorkohlenwasserstoffkonzentrationen im Blut von Frauen mit
wiederholten Aborten
Geboren am 22.12.1966 in Waibstadt
Reifeprüfung am 12.06.1986 in Neckarelz
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1989 bis WS 1995
Physikum am 17.09.1991 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Sarnen (CH) und Mosbach (Univ. Heidelberg)
Staatsexamen am 09.11.1995 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Gynäkologie
Doktormutter: Prof. Dr. med. I. Gerhard
Der spontane Abort ist die häufigste Komplikation der Schwangerschaft. Die Ursachen dafür
sind nur in 60% der Fälle bekannt. Durch Tierversuche und Vergiftungsfälle gibt es Hinweise
dafür, daß Chlorkohlenwasserstoffe embryo- und fetotoxisch wirken. Da bei Frauen mit
wiederholten Fehlgeburten häufig Hormonstörungen gefunden und immunologische
Störungen vermutet werden, deren Therapie bisher unbefriedigend ist, stellte sich die Frage,
ob CKW am Abortgeschehen von Frauen beteiligt sein könnten. Bei 89 Frauen, die sich
zwischen den Jahren 1989-1993 zur Abklärung wiederholter und habitueller Fehlgeburten in
der Universitätsfrauenklinik Heidelberg befanden, wurden neben der Diagnostik zur Klärung
der Abortursache (Hormone, Karyogramm, uteriner Faktor, Autoantikörper, HLA-Typing,
HLA-Antikörper, Crossmatch, gemischte Lymphocytenkultur, Mitogenstimulation der
Lymphozyten, Lymphozytensubpopulationen, Blutbild, Leber- Nieren- Fettwerte, Elektrolyte,
Vitamine und Spurenelemente) auch die Konzentrationen der CKW im peripheren Blut
mittels Gaschromatographie bestimmt. Diese waren Pentachlorphenol PCP,
Hexachlorcyclohexan HCH (α, β und γ), Hexachlorbenzol HCB, polychlorierte Biphenyle
PCB und Dichlordiphenyltrichlorethan DDE. Außerdem wurde nach Einteilung der CKW in
Perzentilen ein CKW-Gesamtscore gebildet, der zwischen 6 und 24 lag. Die Patientinnen
wurden in verschiedene Gruppen eingeteilt: Früh- und Spätaborte, primäre und sekundäre
Aborte, Abortursachen, Schwangerschaftseintritt und Verlauf im Beobachtungszeitraum
sowie Therapiegruppen. Sämtliche anamnestischen, klinisch-chemischen, endokrinen und
immunologischen Daten wurden zu den CKW-Konzentrationen in Beziehung gesetzt.
Oberhalb des Referenzbereiches lagen die CKW-Werte bei über 20 % der Frauen. Es ergaben
sich keine Signifikanzen zwischen der Höhe der CKW-Konzentrationen und einem erneuten
Schwangerschaftseintritt oder dem Schwangerschaftsausgang. Zwischen den Abortgruppen
gab es keine Unterschiede bei den CKW-Konzentrationen. Weiterhin bestanden keine
Zusammenhänge zwischen CKW-Konzentrationen und Alter, Größe, Gewicht und Body-
Maß-Index. Ausländerinnen hatten signifikant höhere DDE Konzentrationen als Deutsche.
Bei Frauen mit Zyklusstörungen lagen die PCP-Konzentrationen signifikant höher als bei
Frauen mit Eumenorrhoe. Auch wiesen Frauen mit > 4 Aborten signifikant höhere HCB-
Konzentrationen auf als Frauen mit weniger Aborten. Da es sich hier um eine
Querschnittsstudie handelte und keine Kontrollgruppe berücksichtigt wurde, sind keine
abschließenden Aussagen über den Einfluß von CKW-Konzentrationen auf die
Aborthäufigkeit möglich. Die Korrelationsanalysen zwischen den CKW und den Hormonen
erbrachten signifikante Zusammenhänge mit der Schilddrüsen- und Ovarialfunktion. Auch die
hypophysäre Reserve (Gonadotropine, Prolaktin) war durch einige CKW beeinflußt. Es
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bestanden Zusammenhänge zwischen den CKW- Konzentrationen und den Laborparametern,
wie sie größtenteils in der Literatur aus Tierversuchen und Zellexperimenten bekannt sind
(Erythropoese, Lymphocytensubpopulationen). Wegen der Fülle der überprüften Variablen
ohne α-Adjustierung kann ein Teil der Zusammenhänge auch zufällig sein. Das besondere der
vorliegenden Studie ist, daß Hypothesen über CKW-Einflüsse bei chronischer und multipler
Niedrigdosisbelastung junger Frauen generiert werden können. Möglicherweise ist die
Niedrigdosisbelastung nur bei Frauen die, gleichzeitig eine Unterversorgung an
Antioxidantien aufweisen relevant, deshalb wäre eine Supplementierung sinnvoll. Da in
unserem Patientinnenkollektiv jedoch kein signifikanter Zusammenhang zur
Schwangerschafts- und Abortrate nachgewiesen werden konnte, ist die Bestimmung der
CKW`s im Blut von Frauen mit habituellen Aborten im Regelfall nicht erforderlich. Es kann
aber nicht ausgeschlossen werden, daß durch die multiplen Einflüsse der CKW`s auf den
Organismus immunologische und hormonelle Störungen gebahnt werden, die in einer
Fehlgeburt enden können.