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[de] (orig)
Monika Wolf
Dr. med.
Klinische Relevanz zirkulierender Antikörper gegen Spermatozoen
bei subfertilen Patienten und verschiedenen Vergleichskollektiven,
nachgewiesen mittels Enzyme-linked immunosorbent assay (ELISA)
Geboren am 07.09.1960 in Göttingen
Reifeprüfung am 13.12.1979 in Bremen
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1980 bis SS 1987
Physikum am 24.08.1982 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg und Schwetzingen
Staatsexamen am 29.04.1987 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Frauenheilkunde
Doktorvater: Frau Priv.-Doz. Dr. med. W. Eggert-Kruse
Antikörper gegen Spermatozoen werden als mögliche Ursache für Fertilitätsstörungen
betrachtet. Unklarheiten bestehen allerdings darüber, welche Nachweismethode am besten
geeignet ist, die fertilitätsrelevanten Antikörper zu ermitteln, so daß therapeutische
Konsequenzen daraus gezogen werden könnten.
Um Spermaantikörper im Serum nachzuweisen und deren klinische Bedeutung einordnen zu
können, wurde ein kommerzieller Enzyme-linked immunosorbent assay (ELISA) verwendet.
Es wurden damit Seren untersucht von 148 Frauen und 112 Männern, die wegen
Fertilitätsstörungen die Universitätsfrauenklinik in Heidelberg aufgesucht hatten. Zusätzlich
wurden bei drei Kontrollgruppen (69 schwangere Frauen, 41 Virgines, 80 Prostituierte)
Spermaantikörper im Serum mit Hilfe des ELISA bestimmt.
Diese ELISA-Resultate der subfertilen Patienten wurden in Beziehung gesetzt zu
anamnestischen und klinischen Charakteristika, mikrobiologischen Befunden, dem
Spermabefund, den Ergebnissen zu Untersuchungen der Spermien-Mukus-Interaktion
(Postcoitaltest (PCT) und Spermien-Cervical-Mukus-Penetrationstest (SCMPT)) und
ungeklärter Sterilität. Außerdem wurde die Schwangerschaftsrate bei Patienten mit und ohne
zirkulierende Spermaantikörper bestimmt.
Zusätzlich erfolgte ein Vergleich der ELISA-Ergebnisse der Sterilitätspatienten mit den
Ergebnissen anderer Untersuchungsverfahren auf zirkulierende (Radioimmunoassay [RIA],
Tray-Agglutination-Test [TAT]) und lokale Spermaantikörper (Mixed-Antiglobulin-Reaction
[MAR-Test]).
Ein ELISA-Titer von 25 U/ml wurde als spermaantikörper-positiv betrachtet. Dabei lagen
die Inzidenzen der zirkulierenden Spermaantikörper für sterile Frauen bei 18 % und für sterile
Männer bei 15 %. Für die weiblichen Kotrollgruppen ergaben sich Inzidenzen von 12 % für
schwangeren Frauen, 15 % für Virgines und 21 % für Prostituierte. Die Unterschiede im
Ergebnis des ELISA waren nicht signifikant.
Eine Überprüfung des Zusammenhangs von zirkulierenden Spermaantikörpern mit
anamnestischen Daten wie durchgemachten Infektionen oder Operationen im Genitalbereich
oder verschiedenen Krankheiten der Genitalorgane war weder bei Frauen noch bei Männern
mit einem erhöhten Auftreten von Spermaantikörpern verbunden. Auch die Ergebnisse der
klinischen Untersuchung zeigten keine statistischen Unterschiede im Hinblick auf erhöhte
ELISA-Werte. Bei Patienten mit ungeklärter Sterilität wurden nicht häufiger zirkulierende
Spermaantikörper gefunden als bei Patienten mit bekannter Sterilitätsursache.
Bezüglich subklinischer Infektionen des Genitaltraktes fanden sich keine Unterschiede in der
Häufigkeit des Auftretens von zirkulierenden Spermaantikörpern bei Patienten mit positiven
bakteriologischen Befunden gegenüber den Patienten, bei denen keine potentiell pathogenen
Erreger in den Genitalsekreten nachgewiesen werden konnten.
Die Auswertung des Spermabefundes ergab keine Unterschiede in den Inzidenzen
zirkulierender Spermaantikörper in Zusammenhang mit einzelnen Samenparametern (Anzahl,
Motilität und Morphologie). Bei der Überprüfung der Spermien-Mukus-Interaktion in vivo im
PCT ergaben sich weder für Frauen noch für Männer signifikante Unterschiede bezüglich des
Auftretens von zirkulierenden Spermaantikörpern und dem Ergebnis der Postcoitaltests. Die
Überprüfung des Penetrationsvermögens von Spermien in den Zervixmukus mittels SCMPT
zeigte, daß das Resultat dieses in vitro Tests bei Frauen und bei Männern nicht durch das
Vorhandensein zirkulierender Spermaantikörper beeinflußt wird.
Zwischen dem Auftreten von zirkulierenden Spermaantikörpern im ELISA und dem
Nachweis im RIA wie auch im TAT konnte kein signifikanter Zusammenhang gefunden
werden. Der Nachweis von lokalen Spermaantikörpern, die mit Hilfe des MAR-Testes
ermittelt worden waren, stand weder für IgG- noch für IgA-Antikörper in einem statistisch
signifikanten Zusammenhang mit dem Ergebnis der Untersuchung auf zirkulierende
Spermaantikörper mittels ELISA.
Die Untersuchung der Schwangerschaftsrate ergab, daß von 67 Paaren nach drei Monaten bei
fünf Paaren eine Schwangerschaft eingetreten war (7 %). Davon hatten drei Frauen (60 %)
und ein Mann (20 %) erhöhte Spermaantikörper-Titer, in einem Fall sogar beide Partner.
Selbst Extremwerte waren durchaus mit der Fertilität kompatibel.
Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen, daß das Auftreten der zirkulierenden
Spermaantikörper, die mit Hilfe des hier verwendeten ELISA ermittelt wurden, bis auf die
Ergebnisse des RIA für zirkulierende Spermaantikörper sonst in keinem Zusammenhang mit
den Resultaten anderer Untersuchungen steht, die im Rahmen der Sterilitätsdiagnostik
durchgeführt werden. Es werden offensichtlich keine Antikörper erfaßt, die die weibliche oder
männliche Fertilität beeinflussen. Durch die Untersuchung auf zirkulierende
Spermaantikörper mittels ELISA lassen sich andere bewährte Verfahren wie SCMPT oder
MAR-Test nicht ergänzen.
Auf die Bestimmung zirkulierender Spermaantikörper mittels ELISA kann in Rahmen der
Sterilitätsdiagnostik angesichts ihrer fehlenden klinischen und fertilitätsprognostischen
Bedeutung verzichtet werden.