Silke Simank
Dr. med.
Diagnostik von aseptisch gelockerten Hüftendopothesen durch biochemische Marker
des Knochenstoffwechsels
Geboren am 21.11.1968 in Wolfsburg
Reifeprüfung am 30.05.88 in Wolfsburg
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1991/92 bis WS 1997/98
Physikum am 24.08.1993 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 02.04.1998 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Orthopädie
Doktorvater: Herr Priv. -Doz. Dr. med. M. Lukoschek
ZUSAMMENFASSUNG
Die Validität der gebräuchlichen diagnostischen Verfahren zum Nachweis einer aseptischen
Prothesenlockerung ist unbefriedigend. In vielen Fällen wird die Diagnose einer
Prothesenlockerung gestellt, wenn bereits weitreichende Veränderungen im Prothesenlager
vorhanden sind. Die nachfolgenden Wechseloperationen sind im fortgeschrittenen Stadium
anspruchsvoller und für den Patienten risikoreicher. Die Diagnostik aseptischer
Endoprothesenlockerungen stützt sich derzeit weitgehend auf die Anamnese, den klinischen
Befund, die Röntgendiagnostik und die szintigraphische Untersuchung. Unter der Vorstellung,
daß Lockerungsprozesse im knöchernen Prothesenlager mit einer Strukturumwandlung des
umgebenden Knochengewebes einhergehen, sollte in einer prospektiven Vergleichsstudie
geklärt werden, ob und in welchem Umfang diese Umbauprozesse bestimmte biochemische
Marker des Knochenstoffwechsels beeinflussen. 51 Patienten mit intraoperativ
nachgewiesener Hüftendoprothesenlockerung wurden mit 47 Patienten mit fester
Endoprothese verglichen. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurde die
Kontrollgruppe hinsichtlich des Alters, des Geschlechtes und des Prothesenmodells
ausgewählt. Die biochemischen Marker Crosslink - vernetztes N - Telopeptid (= NTX),
Pyridinolin (= PYD) und Desoxypyridinolin (= DPD), die den Knochenabbau reflektieren,
waren hoch signifikant (P = 0,0001) unterschiedlich zwischen den Gruppen. Bei den Markern
des Knochenanbaus waren das Prokollagen Typ-1- carboxyterminale Propeptid (= PICP) nicht
signifikant (PICP: P = 0,230) und das Osteocalcin (= OC) signifikant (OC: P = 0,0110). Die
Treffsicherheit (overall accuracy) der Parameter NTX und DPD liegen im Bereich der
Röntgendiagnostik (>80%). Eine weitere Verbesserung der Treffsicherheit ergibt sich bei
Kombination des Parameters N - terminales Crosslink (NTX) mit den radiologischen
Lockerungsparametern sowie bei Kombination der Parametern NTX und Desoxypyridinolin.
Diese Pilotstudie konnte zeigen, daß neue biochemische Marker auf nicht - invasive Weise
das Potential zur Verbesserung der Lockerungsdiagnostik von Endoprothesen haben. Weitere
Studien sind notwendig, um diese Ergebnisse in einem großen Probandenkollektiv zu
überprüfen und um sichere Grenzwerte festzulegen.