Susanne Christine Schreckenbach
Dr. med.
Indikatoren der schmerzbezogenen Lebensqualität von Patienten mit einer Tumor-
erkrankung und chronischen Schmerzen
Geboren am 30.10.1969 in Potsdam
Reifeprüfung am 02.07.1988 in Potsdam
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1990 bis WS 1996/1997
Physikum am 23.03.1992 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in New York und Heidelberg
Staatsexamen am 28.11.1996 in Heidelberg
Promotionsfach: Psychosomatik
Doktorvater: Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Rolf Verres
Die vorliegende medizinische Doktorarbeit entstand in der Abteilung für Psychotherapie und
Medizinische Psychologie der Psychosomatischen Universitätsklinik Heidelberg und setzte
sich die Erforschung der besonderen Lebenssituation von Patienten mit einer Tu-
morerkrankung und chronischen Schmerzen anhand von Indikatoren sowie des Einflusses
unabhängiger Faktoren auf die verschiedenen Aspekte der Lebensqualität zum Ziel.
Zugrundegelegt wurde eine Lebensqualitätsdefinition der Konsensuskonferenz von 1990, nach
der eine physische, eine psychische und eine soziale Dimension unterschieden werden
können. Um die verschiedenen inhaltlichen Ebenen zu berücksichtigen, wurde jede der drei
Dimensionen in Funktionsfähigkeit und in Befindlichkeit untergliedert. Der Begriff der
schmerzbezogenen Lebensqualität wurde geprägt, um der besonderen Belastungssituation von
Menschen mit einer Tumorerkrankung und chronischen Schmerzen Rechnung zu tragen.
Es handelte sich bei dieser Studie, in die 73 Patienten mit einer Tumorerkrankung und chroni-
schen Schmerzen eingeschlossen werden konnten, um eine deskriptive Querschnittsuntersu-
chung mit einem Untersuchungszeitpunkt. Zur Anwendung kamen verschiedene Fragebögen
und ein halbstandardisiertes Interview. Folgende Ergebnisse konnten gefunden werden:
1. Zwischen der Funktionsfähigkeit und der Befindlichkeit aller drei Dimensionen der
schmerzbezogenen Lebensqualität fehlten ausgeprägte statistisch signifikante Beziehungen,
woraus zu folgern ist, daß beide Dimensionsebenen weitgehend unabhängig voneinander
bestanden.
2. Funktionsfähigkeiten und Befindlichkeiten der drei Dimensionen der schmerzbezogenen
Lebensqualität standen in einer Reihe signifikanter Zusammenhänge, was sich als ein
komplexes Beziehungsgeflecht herausstellte. Die psychische Befindlichkeit nahm unter den
Dimensionsebenen aufgrund der Vielzahl ausgeprägter signifikanter Beziehungen eine
herausragende Stellung ein. Das in der Literatur beschriebene Phänomen einer geringen
Anzahl signifikanter Beziehungen zwischen Schmerzen und anderen
Lebensqualitätselementen im Vergleich zur Vielzahl signifikanter Zusammenhänge anderer
physischer und psychischer Items konnte bestätigt werden. Die soziale Dimension unterschied
sich von den anderen Dimensionen durch die geringe Zahl signifikanter Zusammenhänge. Das
soziale Leben unterlag demnach in geringerem Ausmaß dem Einfluß der anderen
Dimensionen und beeinflußte diese gleichzeitig auch seltener.
3. Patienten, die zum Untersuchungszeitpunkt stationär behandelt wurden, unterschieden sich
deutlich von ambulanten Vergleichspersonen. So wiesen stationäre Untersuchungsteilnehmer
in allen Lebensbereichen vermehrt schmerzbedingte Einschränkungen auf und unterschieden
sich insbesondere hinsichtlich ihrer psychischen Situation von ambulanten Patienten.
4. Patienten, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium ihrer zugrundeliegenden malignen
Erkrankung befanden, unterschieden sich deutlich von Vergleichspersonen in einem frühen
Erkrankungsstadium dadurch, daß sie vermehrt schmerzbedingte Einschränkungen in physi-
schen, psychischen und sozialen Alltagsbereichen aufwiesen.