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Ralf Schönherr
Dr. med.
Einfluß von Testosteron auf das renale Aufholwachstum, Glomerulosklerose,
interstitielle Fibrose und Albuminurie bei uninephrektomierten Ratten
Geboren am 18.01.1963 in Ludwigsburg
Reifeprüfung am 25.05.1982 in Ludwigsburg
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1987 – WS 1994/95
Physikum am 14.03.1989 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Ludwigsburg
Staatsexamen am 09.11.1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktovater: Priv.-Doz. Dr. med. M. Zeier
In der vorgestellten Studie wurde der Einfluß von Testosteron auf das renale Aufholwachstum
uninephrektomierter, gonadektomierter männlicher und weiblicher Ratten und der
renoprotektive Effekt des ACE-Hemmers Enalapril untersucht.
Die Applikation von Testosteron führte zu einer deutlichen, renalen und glomerulären
Hypertrophie. Die verschiedenen Nierenzonen wurden hierbei unterschiedlich beeinflußt.
Unter der Testosteronbehandlung kam es vor allem zu einer Zunahme der Nierenrinde und
des Außenstreifens, während das Wachstum von Innenstreifen und -zone nahezu unverändert
blieb. Desweiteren kam es bei den testosteronbehandelten Ratten zu einer ausgeprägten
Albuminurie. Die testosteroninduzierte, glomeruläre Hyperthrophie und die Albuminurie
ließen sich durch die Gabe von Enalapril verhindern. Der systolische Blutdruck und die
Retentionswerte wurden durch die Testosteronapplikation nicht beeinflußt.
Im Rahmen des Aufholwachstums kam es bei den testosteronbehandelten Tieren zu einer -
wenn auch nicht signifikanten - Zunahme der Glomerulosklerose und interstitiellen Fibrose.
Die oben beschriebenen Effekte traten sowohl bei den männlichen als auch bei den
weiblichen Versuchstieren auf und waren nicht dosisabhängig.
Darüberhinaus führte die Testosteronbehandlung zu Veränderungen des Renin-Angiotensin-
Systems mit Erhöhung der renalen Renin-mRNS-Konzentration, der Plasma-Renin- und
Plasma-Angiotensinogen-Aktivität.
Nach neueren Erkenntnissen spielen renale Wachstumsvorgänge eine entscheidende Rolle bei
der Progression von chronischen Nierenerkrankungen. Wie in dieser Studie gezeigt werden
konnte, beeinflußt Testosteron bei Ratten das Aufholwachstum nach Uninephrektomie und
könnte somit für das schnellere Fortschreiten chronischer Nierenerkrankungen bei Männern
mitverantwortlich sein. Über die zugrundeliegenden Mechanismen kann beim derzeitigen
Wissensstand nur spekuliert werden. Testosteron kann die Konzentration verschiedener
Wachstumsfaktoren und Zytokine, die als Mediatoren pathophysiologischer Veränderungen
bei chronischen Nierenerkrankungen gelten, erhöhen. Eine vermehrte Proteinurie, wie sie in
unserer Studie bei den testosteronbehandelten Ratten auftrat, führt ebenso zu einer
Schädigung der Glomeruli wie eine intraglomeruläre Druckerhöhung. Wie von verschiedenen
Autoren beschrieben, kann Testosteron das Renin-Angiotensin-System in verschiedenen
Geweben beeinflußen und so in der Niere durch lokale Konzentrationsänderungen zu einer
Erhöhung des intraglomerulären Drucks mit konsekutiver Glomerulusschädigung führen.
Durch Testosteronapplikation kam es in unserer Studie ebenfalls zu Veränderungen im Renin-
Angiotensin-System.
Die vorgestellte Studie zeigt, daß Testosteron das renale Aufholwachstum bei uninephrek-
tomierten, gonadektomierten männlichen und weiblichen Ratten beeinflußt und so zu einer
schnelleren Progression chronischer Nierenerkrankungen führen kann. Es muß das Ziel
weiterer experimenteller und klinischer Arbeiten sein, die möglichen Ursachen zu erforschen.
Das Geschlecht sollte bei der Therapieplanung chronischer Nierenerkrankungen als
zusätzlicher Progressionsfaktor berücksichtigt werden.