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Claudia Franziska Schiementz
Dr. med.
Hemisphärenanalyse der Gesichterwahrnehmung schizophrener Patienten
Geboren am 24.07.66 in Baden-Baden
Reifeprüfung am 05.06.86 in Rastatt
Studiengang der Fachrichtung Medizin von SS 88 bis WS 94
Physikum am 31.03.90 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Schwetzingen
Staatsexamen am 28.04.94 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Psychiatrie
Doktorvater: Prof. Dr. Dr. med. M. Spitzer
Die klinische Beobachtung von Gesichterwahrnehmungsstörungen schizophrener Patienten und
die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Gesichterperzeption als lateralisierenden
Hemisphärenprozeß gaben Anlaß, die Hemisphärenasymmetrie schizophrener Patienten zu
untersuchen.
Es wurde ein Gesichtsfeldexperiment durchgeführt, das gleiche und verschiedene Bildpaare von
Gesichtern beinhaltet. 36 akut und nicht akut erkrankte, schizophrene Patienten wurden
untersucht und mit einer Kontrollgruppe aus 38 Probanden verglichen.
Ein signifikanter Unterschied in der Hemisphärenasymmetrie wurde durch die Trennung der
Testgruppen in akut und nicht akut Erkrankte erreicht. Akut Schizophrene reagieren unabhängig
vom Bildmaterial mit der rechten Hemisphäre schneller. Gesunde Probanden weisen eine
Überlegenheit der rechten Hemisphäre bei gleichen Gesichtern und schnellere Reaktion der
linken Hemisphäre bei verschiedenen Bildern auf. Die nicht akut Schizophrenen zeigen in
keinem Fall eine Hemisphärenasymmetrie.
Zusätzlich konnte ein Zusammenhang zwischen der Symptomausprägung Halluzination, Wahn,
der Plussymptomatik, der Stärke der Erkrankung und einem Übergewicht der rechten
Hemisphäre festgestellt werden.
Nach Erkenntnissen der Neuropsychologie und der experimentellen Psychologie können zwar
beide Hemisphären Gesichter erkennen, sie verwenden jedoch unterschiedliche
Wahrnehmungsstrategien. Die Mehrzahl der Studien stützen die These einer ganzheitlichen
Gestaltstrategie der rechten und einer analytisch differenzierenden Verarbeitung der linken
Hemisphäre. Die Unterscheidung gleicher Bildpaare stellt eher eine ganzheitliche Anforderung
dar, wogegen der Vergleich verschiedener Gesichter eine analytische Differenzierung
voraussetzt. Entsprechende Hemisphärenasymmetrien lassen sich anhand der gesunden
Kontrollgruppe bestätigen. Bei den akut Schizophrenen führt dagegen unabhängig von den
Anforderungen die ganzheitliche Gestaltstrategie der rechten Hemisphäre subjektiv zum
schnelleren Erkennen.
Die klinisch beobachteten sensorischen Wahrnehmungsstörungen akut schizophrener Patienten
wie z.B. Paraprosopie und die Physiognomisierung der Umwelt können als eine übersteigerte
Gesichterwahrnehmung gedeutet werden. Es stellt sich daher die Frage, ob die beobachteten
Gesichterwahnehmungsstörungen in kausalem Zusammenhang mit einem Übergewicht der
ganzheitlichen Gestaltstrategie der rechten Hemisphäre stehen.
Dieses Ergebnis wird anhand klinischer Beobachtungen, den Erkenntnissen aus der
Neuropsychologie, experimentellen Psychologie und Psychopathologie diskutiert.
Die Hypothese, daß die bei akut Schizophrenen beobachteten Gesichterwahrnehmungsstörungen
durch eine Übergewicht der rechten Hemisphäre verursacht wird, muß durch weitere
Untersuchungen überprüft werden.