Alexandra Susanne Rieben
Dr. med. dent.
Kalzium- und Knochenstoffwechsel bei gesunden älteren Menschen und Patienten einer
geriatrischen Rehabilitationsabteilung - Ergebnisse einer Untersuchung der
biochemischen Parameter und deren Beeinflussung durch eine kurzzeitige Vitamin-D3-
Gabe
Geboren am 13.02.1971 in Heidelberg
Reifeprüfung am 22.05.1990 in Künzelsau
Studiengang der Fachrichtung Zahnmedizin vom WS 1990/91 bis SS 1997
Naturwissenschaftliche Vorprüfung am 08.10.1991 an der Universität Heidelberg
Zahnärztliche Vorprüfung am 27.09.1993 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg
Zahnärztliche Prüfung am 05.08.1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Labormedizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. H. Schmidt-Gayk
Mittels drei Stichproben sollte der Vitamin-D3-Status und der Zustand des
Knochenstoffwechsels bei älteren Menschen hinsichtlich geschlechts- und
gesundheitsabhängiger Unterschiede überprüft werden. Ferner wurde untersucht, welchen
Einfluß eine kurzzeitige Gabe eines Vitamin-D3-Präparates nimmt. Untersucht wurden 23
gesunde Altenheimbewohnerinnen (Altenheimgruppe), 30 Frauen mit Z. n. einer proximalen
Femurfraktur (Frakturgruppe) und 23 Patientinnen, die nach einer Erkrankung - meist
Schlaganfall - wieder mobilisiert wurden (Immobilgruppe). Weiterhin wurden 13 männliche
Patienten, die ebenfalls mobilisiert wurden, untersucht. Ein Teil der Krankenhauspatientinnen
wurde für durchschnittlich 19,52 Tage mit 1000 IE Vitamin D3 substituiert. Nach 28 Tagen
erfolgte eine Meßwiederholung. Es wurden 25(OH)D3, 1,25(OH)2D3, Kalzium,
Gesamteiweiß, anorg. Phosphat, Kreatinin, knochenspezifische alkalische Phosphatse (BAP),
intaktes Parathormon (PTH), Pyridinolin (PYD) und Desoxypyridinolin (DPD) bestimmt. Die
Probanden waren im Durchschnitt 80 Jahre alt, nicht bettlägrig und litten unter keinen diese
Studie beeinflussenden Krankheiten.
Bezüglich des 25(OH)D3 bestand ein geschlechtsspezifischer Unterschied der beiden
Immobilgruppen. Die Männer hatten signifikant höhere Spiegel. Weitere Untersuchungen
erfolgten deshalb nur noch an Frauen. In allen drei Gruppen fand man erniedrigte 25(OH)D3-
und 1,25(OH)2D3-Serumspiegel. In der Altenheimgruppe war 1,25(OH)2D3 - im Vergleich
zu den beiden anderen Gruppen - leicht aber signifikant höher. Beide D-Metaboliten
korrelierten in dieser Gruppe miteinander positiv. Anscheinend stand nicht mehr genügend
Substrat zur 1,25(OH)2D3-Synthese zur Verfügung. PTH korrelierte positiv und 25(OH)D3
negativ mit dem Alter. Des weiteren korrelierte PTH negativ mit anorg. Phosphat, welches
wiederum altersabhängig absank. Die PTH-Spiegel waren in allen Gruppen im oberen
Normbereich, anorg. Phosphat- und Kalziumwerte unauffällig. Die gefundenen Korrelationen
wiesen auf einen beginnenden sekundären Hyperparathyreoidismus hin, welcher
altersabhängig zunahm. Die vor allem bei den Probandinnen im Krankenhaus unerwartet
gering erhöhten PTH-Werte können verschiedene Gründe gehabt haben. Entweder spielte bei
diesen Probandinnen Vitamín D2 eine ungewöhnlich große Rolle oder durch die mit dem
Krankenhausaufenthalt verbundene geringere Mobilität wurde vermehrt Kalzium aus den
Knochen freigesetzt. Die Kalziumwerte wurden nach Husdan korrigiert, da die
Gesamteiweißwerte bei vielen Probanden erniedrigt waren. In der Immobilgruppe und der
Altenheimgruppe waren die BAP-Werte in der Norm; die Frakturgruppe wies signifikant
erhöhte Serumwerte auf. In allen Gruppen waren DPD und PYD altersabhängig über der
Norm erhöht, wobei sich alle drei Gruppen untereinander signifikant unterschieden. Die
Frakturgruppe hatte - als Reaktion auf die Fraktur - die höchsten Werte, und die
Altenheimgruppe, als mobilste Gruppe, die niedrigsten. Die Knochenabbaumarker waren
somit allgemein stärker erhöht als die Knochenanbaumarker. Insgesamt lagen die
Kreatininwerte in oder nur leicht oberhalb der Norm. Allerdings zeigten die
Altenheimbewohnerinnen signifikant höhere Werte. Zusätzlich wies die Altenheimgruppe bei
der Meßwiederholung leicht, aber signifikant niedrigere 1,25(OH)2D3-Spiegel auf und die
DPD-Ausscheidung nahm zu. In den anderen Gruppen war dagegen unabhängig von einer
Vitamin-D3-Gabe ein leichtes Steigen der 1,25(OH)2D3-Serumspiegel und eine geringere
DPD-Ausscheidung zu beobachten. Letzteres könnte möglicherweise durch die zunehmende
Mobilisierung verursacht sein. Durch die Vitamin-D3-Gabe stiegen bei den substituierten
Personen die 25(OH)D3- und anorg. Phosphat-Serumspiegel signifikant an.
Trotzdem diese Vitamin-D3-Mangelsituation in Deutschland wohl bekannt ist, wurde
offensichtlich nicht viel dagegen unternommen. In dieser Studie konnte gezeigt werden, daß
auch bei älteren Menschen die enterale Absorption dieses Vitamins noch ausreichend
funktioniert und durch eine Substituierung möglicherweise leicht hyperthyreote Tendenzen
zurückgehen. Der gesteigerte Knochenabbau konnte im Versuchszeitraum jedoch nicht
signifikant beeinflußt werden.