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Randi Marit Scheidt
Dr. med.
Persönlichkeit, Stress- und Krankheitsverarbeitung bipolar Manisch-Depressiver im
Verlauf
Geboren am 27.09.1968 in Mainz
Reifeprüfung am 20.06.1988 in Mainz
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1989/90 bis SS 1996
Physikum am 21.08.1991 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Pforzheim
Staatsexamen am 7.05.1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Psychiatrie
Doktorvater: Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber
In dieser Studie wird die Persönlichkeit, Streß- und Krankheitsverarbeitung von 53 bipolar
Manisch-Depressiven im Verlauf untersucht. Die erzielten Ergebnisse werden, wenn möglich,
einer Vergleichsstichprobe gegenübergestellt. Dann werden folgende Untergruppen
miteinander verglichen :
- Schizoaffektive (Bipolare mit stimmungskongruenten oder stimmungsinkongruenten
psychotischen Merkmalen) vs. Zyklothyme (Bipolare ohne psychotische Merkmale)
- Rückfällige vs. Nicht Rückfällige
- Patienten mit kürzerem vs. Patienten mit längerem Krankheitsverlauf.
Darauhin erfolgt ein Vergleich der Werte der Erstuntersuchung mit der Zweituntersuchung.
Außerdem werden die Korrelationen zu wichtigen Verlaufsparametern und zu
psychopathologischen Skalen berechnet.
Bipolar Manisch-Depressive unterscheiden sich in den hier angewandten Verfahren zur
Messung der Persönlichkeit (FSKN, FPI-R und IPC) vor allem von der Normpopulation. Die
Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen sind gering und erreichen häufig keine
statistische Signifikanz. Im Vergleich zu der Normpopulation schätzen die Patienten ihre
Lebenstüchtigkeit geringer ein, was angesichts der Korrelationen zu den Verlaufsparametern
als Residualsymptom erscheint. Außerdem beschreiben sie sich als neurotischer und leichter
durch andere irritierbar, Eigenschaften, die von uns als stimmungsabhängig und unspezifisch
zur Differenzierung psychiatrischer Erkrankungen angesehen werden. Die Patienten schildern
sowohl eine erniedrigte Leistungsfähigkeit als auch eine erniedrigte Leistungsorientierung.
Die Patienten stellen sich besonders solidarisch mit anderen dar. Die soziale Orientierung, auf
die auch in der Literatur häufiger hingewiesen wird, ist von Verlaufsparametern und
psychopathologischen Instrumenten unabhängig und erscheint als ein überdauernder
Persönlichkeitszug Bipolarer. Die bipolar Schizoaffektiven unterscheiden sich von den
Zyklothymen in einer signifikant niedrigeren Extraversion. Die Schizoaffektiven sind im
Vergleich zu der Normpopulation wenig extrovertiert. Die erniedrigte Extraversion steht im
Zusammenhang zu einer erhöhten Subdepressivität, aber nicht zu den Verlaufsparametern.
Rückfällige antworten weniger im Sinne sozialer Erwünschtheit, vermutlich deswegen, weil
ihnen die sozialen Erwartungen gleichgültiger sind. Manisch-Depressive sind, entgegen
gängigen Hypothesen, weder besonders extrovertiert, noch besonders oberflächlich, noch
besonders aggressiv. Eine hohe Anzahl von Phasen geht mit Problemen im
zwischenmenschlichen Bereich einher. Die Patienten mit vielen Phasen äußern ein
erniedrigtes Bedürfnis nach sozialer Unterstützung, obwohl sie sich weiterhin solidarisch mit
anderen zeigen. Sie empfinden eine Abhängigkeit von wichtigen anderen Menschen ihres
Lebensweges und haben wohl im Rahmen der zahlreichen Rückfälle auch die negative Seite
von sozialer Unterstützung kennengelernt, abgesehen davon, daß sie nicht so gut in ein
soziales Netz integriert sein mögen, wie Patienten mit wenigen Phasen. Die Streßverarbeitung
ist nur gegenüber der Vergleichsstichprobe auffällig. Zwischen den einzelnen Gruppen ließen
sich keine signifikanten Unterschiede ausmachen. Die Patienten zeigen in der
Streßverarbeitung Versuche, die Streßsituation zu umgehen. Aktive Kontrollversuche waren
vermindert. In der Fremdbeurteilung der Krankheitsverarbeitung fällt auf, daß Rückfällige
eher als nicht Rückfällige die Krankheit depressiv verarbeiten. Die depressive
Krankheitsverarbeitung steht in einem engen Zusammenhang zu der Depressivität der state-
Variablen, was die Unterscheidung zwischen krankheitsbedingten Symptomen und Coping
erschwert. Passive Verarbeitungsmodi werden in der Literatur als ungünstig eingeschätzt. Der
Copingmechanismus „Ablenkung und Selbstaufbauerscheint für Bipolar Manisch-
Depressive als günstig, Bagatellisieren der Erkrankung als ungünstig. Der
Verarbeitungsmodus „Religiosität und Sinnsuche“ wird als Residualsymptom eines langen
Krankheitsverlaufes interpretiert. Die Fremd- und Selbstbeurteilung von
Krankheitsverarbeitung korreliert nur im Ausnahmefall signifikant miteinander. Dies wurde
bereits in anderen Studien beschrieben und mit unterschiedlichen Zielen und
Rollenvorstellungen von Fremd- und Selbstbeurteilern erklärt.