Menelaos Margaritidis
Dr. med.
Topographische Erfassung der Lipofuszininduzierten Fundusautofluoreszenz in vivo bei
Patienten mit altersabhängiger Makuladegeneration mittels eines konfokalen Scanning
Laser Opthalmoskops
Geboren am 14.05.1966 in Katerini/Griechenland
Reifeprüfung am 10.07.84 in Katerini/Griechenland
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1984/85 bis SS 1991
Die dem Physikum, dem klinischen Studium und dem praktischen Jahr entsprechenden
Prüfungen wurden während des gesamten medizinischen Studiums in Abschnitten abgelegt
Staatsexamen am 10.07.1991 an der Aristoteles Universität Thessaloniki
Promotionsfach: Augenheilkunde
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. F.G. Holz
Die altersabhängige Makuladegeneration stellt heute in den Industrienationen die häufigste Ur-
sache für einen Verlust der Lesefähigkeit und damit meist auch der Selbstständigkeit bei den
betroffenen Patienten dar. Bei der Pathogenese spielen Veränderungen und Funktionsstörungen
im Bereich der äußeren Netzhautschichten einschließlich des retinalen Pigmentepithels eine
zentrale Bedeutung. Basierend auf in vitro Befunden wird u.a. eine mögliche pathophy-
siologische Bedeutung für die altersabhängige Lipofuszinakkumulation in den postmitotischen
retinalen Pigmentepithelzellen diskutiert. Lipofuszin findet sich altersabhängig in Lysosomen
zahlreicher eukaryoten Zellen. Im retinalen Pigmentepithel entsteht es unter anderem als
Nebenprodukt bei der apikalen Phagozytose von Außensegmenten der Photorezeptoren und bei
der Autophagie zur Zellerneuerung. Während die Erfassung und Quantifizierung au-
tofluoreszenter Lipofuszingranula im retinalen Pigmentepithel in vitro mit Hilfe von Fluores-
zenzmikroskopen bereits etabliert ist, ist es erst durch jüngere Entwicklungen möglich, die
lipofuszinabghängige Autofluoreszenz am menschlichen Auge auch in vivo zu erfassen.
Zur Bestimmung und Untersuchung der Fundusautofluoreszenz in vivo wurde in dieser Arbeit
ein neuentwickeltes konfokales Laser-Scanning-Ophthalmoskop (Heidelberg Retina Angio-
graph) verwandt. Die Fundusautofluoreszenz in Höhe des retinalen Pigmentepithels wurde nach
Exzitation mit einem Argonlaser (488nm) und Detektion des emittierten Lichtes mit einem
Sperrfilter (500nm) in digitaler Form erfaßt. Aufgrund des konfokalen Prinzips war es möglich,
Streufluoreszenzlicht außerhalb der Fokalebene zu minimieren und so den Bildkontrast zu
erhöhen.
Im Rahmen der methodischen Weiterentwicklung wurde eine Verbesserung des Signal-Rausch-
Verhältnisses dadurch erreicht, daß ein Blitzmodus eingeführte wurde, wobei die Laserleistung
für 32 msec verdoppelt wurde, oder alternativ mehrere digitale Autofluoreszenzaufnahmen nach
automatischer Alinierung gemittelt wurde. Die Topographie der Fundusautofluoreszenz konnte
wahlweise über Bildausschnitte von 10x10°, 20x20° oder 30x30° erfaßt werden.
Insgesamt wurden 357 Augen mit verschiedenen Manifestationsformen der altersabhängigen
Makuladegeneration untersucht, die mit 91 Augen von Normalprobanden und 53 Augen mit
Atrophien anderer Genese verglichen wurden. Eine longitudinale Untersuchung wurde bei 122
Augen mit verschiedenen Ausprägungsformen der altersabhängigen Makuladegeneration über 2-
16 (6,2 ± 2,5) Monate durchgeführt.
Bei gesunden Augen war die Intensität der Fundusautofluoreszenz im Bereich der Papille, der
retinalen Gefäße und des makulären Xanthophylls erniedrigt. Außerdem zeigte sich eine Ab-
nahme der Autofluoreszenz zur Peripherie hin. Diese Befunde sprechen für einen Ursprung der
Autofluoreszenz in Höhe des retinalen Pigmentepithels und damit für Lipofuszin als dem
maßgeblichen Fluorophor.
Bei der Querschnittsuntersuchung von Augen mit altersabhängiger Makuladegeneration fanden
sich Areale mit fokal erhöhter Fundusautofluoreszenz-Intensität in unterschiedlicher Häufigkeit
in Gegenwart von Drusen, chorioidalen Neovaskularisationen und disziformen Narben. Im
Bereich uni- oder multifokaler geographischer Atrophie war die Fundusautofluoreszenz ver-
mindert, während sich im angrenzenden unterschiedlich breiten Übergangsbereich in die nor-
male Netzhaut eine vermehrte Akkumulation von autofluoreszentem Material zeigte. Dabei
wurden erstamls drei verschiedene Muster der erhöhten Autofluoreszenz im angrenzenden
retinalen Pigmentepithel identifiziert. Am häufigsten fand sich ein unterschiedlich breiter Saum
mit vermehrter Akkumulation autofluoreszenten Materials im Übergangsbereich. Als weitere
Muster wurden fokale Ansammlungen von Lipofuszin im Bereich der inzipienten Atrophie
sowie eine diffus vermehrte Autofluoreszenz im Bereich des gesaamten hinteren Augenpols
beobachtet. Im letzteren Fall fanden sich bei vielen Patienten mehrere, multifokale Areale mit
geographischer Atrophie des retinalen Pigemntepithels. Im Gegensatz hierzu wurde bei Augen
mit verschiedenen genetisch determinierten Netzhauterkrankungen einschließlich M. Stargardt,
M. Best, Zapfen- und Musterdystrophien bei Augen mit Atrophien nach Laser-Photokoagulation
keine vermehrte Autofluoreszenz im Übergangsbereich beobachtet. Dies deutet auf
unterschiedliche reaktive Mechanismen auf der Ebene des retinalen Pigemntepithels im
Übergangsbereich zwischen Atophie und intakter Netzhaut hin. Darüberhinaus könnte die
vermehrte Akkumulation von Lipofuszin in Augen mit altersabhängiger Makuladegeneration in
diesem Bereich einen Faktor für die Ausdehnung der Atrophie mit der Zeit darstellen. Die
Überschreitung einer kritischen Schwelle könnten zum Zelltod der betreffenden Zelle führen.
Schließlich wurde eine fokale Zunahme der Fundusautofluoreszenz bei 57 (46,7 %) von den 122
longitudinal untersuchten Augen mit verschiedenen Manifestationsformen der altersabhängigen
Makuladegeneration beobachtet, was dafür spricht, daß es sich bei den umschriebenen
Ansammlungen von autofluoreszentem Material im Rahmen der Erkrankung nicht um einen
statische Veränderung handelt, sondern vielmehr um einen dynamischen Prozeß.
Die topographische Erfassung der Fundusautofluoreszenz mit Hilfe des konfokalen Scanning-
Laser-Ophthalmoskops stellt eine neue nicht-invasive Untersuchungsmethode dar, die weiter-
führende Informationen über Veränderungen auf der Ebene des retinalen Pigmentepithels liefern
kann, welche mit konventionellen klinischen Untersuchungsverfahren nicht erfaßt werden
können. Als neue diagnostische Methode kann sie insbesondere bei Patienten mit altersabhän-
giger Makuladegeneration Hinweise auf zugrundeliegende pathophysiologische Mechanismen
wie auch auf prognostische Merkmale liefern.