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Norbert Kolb
Dr. med.
Die Gleitnagelosteosynthese - ein Verfahren zur belastungsstabilen Versorgung
sämtlicher per- und subtrochanterer Femurfrakturen
Geboren am 07.08.1965 in Aschaffenburg
Reifeprüfung am 29.06.1984 in Aschaffenburg
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1987 bis SS 1993
Physikum am 14.03.1989 an der Universität Würzburg
Klinisches Studium in Würzburg
Praktisches Jahr in Würzburg und Aschaffenburg
Staatsexamen am 24.11.93 an der Universität Würzburg
Promotionsfach: Chirurgie
Doktorvater: Prof. Dr. med. W. Friedl
In der vorliegenden Untersuchung wurden die ersten 185 Gleitnagelosteosynthesen erfaßt, die
in der Chirurgischen Klinik II des Klinikums Aschaffenburg durchgeführt wurden. Operiert
wurden in erster Linie pertrochantere Oberschenkelfrakturen (82,2% der Fälle), jedoch auch
subtrochantere Frakturen, laterale Schenkelhalsfrakturen, Kombinationsfrakturen des Femur,
Reosteosynthesen sowie intertrochantere Umstellungsosteotomien.
Mittels dreier Untersuchungsbögen wurden Daten zur präoperativen Situation der Patienten,
zu den Unfallumständen, operationstechnische Aspekte sowie Daten zur postoperativen
Situation der Patienten einschließlich der Erfassung aller im Untersuchungszeitraum
aufgetretenen Komplikationen ermittelt.
Die Datenerhebung erfolgte durch Auswertung von Krankenakten, Röntgenbilder und OP-
Bücher sowie durch Befragung der Hausärzte und persönliche Nachuntersuchung der
Patienten drei Monate postoperativ. Endpunkte der Untersuchung waren der Tod der Patienten
innerhalb der ersten drei Monate postoperativ oder die Nachuntersuchung nach drei Monaten.
Die Kliniksterblichkeit lag bei 9,2%, die Dreimonatssterblichkeit bei 19,5% der Patienten.
Alters- und Geschlechtsverteilung lagen mit einem Durchschnittsalter von 75,3 Jahren und
einem Frauenanteil von 74,1% im für o.g. Indikationen typischen Bereich. Die hohe Anzahl
von durchschnittlich 2,55 Allgemeinerkrankungen pro Patient erklärt sich durch das hohe
Lebensalter der Patienten.
Die Verteilung der Frakturarten zeigte eine deutliche Dominanz der pertrochanteren
Frakturen, hier insbesondere der A2- Frakturen. Es lagen 13 subtrochantere und 7
Kombinationsfrakturen des Femur vor. In zehn Prozent der Fälle wurde ein langer Gleitnagel
eingebracht, unter anderem zur Versorgung subtrochanterer Läsionen und zur Überbrückung
von Kombinationsfrakturen des Femur.
Bei lediglich 5,9% der Gleitnagelosteosynthesen wurde aufgrund einer lokalen
Frühkomplikation (2,2%) oder Spätkomplikation (3,8%) eine operative Reintervention
erforderlich. Bis auf diejenigen Patienten, die noch unter einer Zusatzverletzung von Becken
oder Bein litten, konnten alle Patienten das operierte Bein postoperativ sofort belasten.
Postoperative Allgemeinkomplikationen, insbesondere im kardiopulmonalen Bereich, traten
in dem Alter der Patienten entsprechend großer Zahl auf und hatten ebenso wie eine bereits
präoperativ fehlende Kooperationsfähigkeit der Patienten großen Einfluß auf die Letalität.
Zwei Drittel der Patienten konnte drei Monate nach der Operation ohne Gehhilfe, mit einem
Gehstock oder mit dem Rolator wieder gut laufen, lediglich 11% waren nicht mehr gehfähig.
Die soziale Selbständigkeit konnte in einem großen Teil der Fälle gewahrt werden, 94% der
Patienten konnten nach der Operation wieder in die häusliche Umgebung entlassen werden.
Mit seiner geringen Komplikationsrate und seiner stets möglichen postoperativen
Belastbarkeit empfiehlt sich der Gleitnagel als universelles Implantat für alle per- und
subtrochanteren Femurfrakturen. Durch die unabhängig von der Erfahrung der Operateure
geringe intraoperative Komplikationsrate kann die Gleitnagelosteosynthese durchaus auch als
Ausbildungseingriff betrachtet werden.