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Immunhistologische Untersuchungen zur myokardialen Expression von PCNA,
Wachstumsfaktoren und extrazellulärer Matrixproteine bei experimenteller
Niereninsuffizienz und renovaskulärer Hypertonie
vorgelegt von Golo D. Kronenberg
Referent : Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. mult. E. Ritz
Kardiovaskuläre Komplikationen stellen ein Hauptproblem des Patienten mit chroni-
scher Niereninsuffizienz dar, rund ein Drittel des Patientenkollektives verstirbt aus
kardiovaskulärer Ursache. Es liegt nahe anzunehmen, daß neben funktionellen Ver-
änderungen die bei Urämie zu beobachtenden strukturellen Herzveränderungen
(Rarefizierung des intramyokardialen Kapillarbettes mit Expansion des interstitiellen
Bindegewebsanteiles und Verdickung intramyokardialer Arterien) mit der hohen Prä-
valenz kardiovaskulärer Komplikationen bei Niereninsuffizienz zusammenhängen
könnten.
In der vorliegenden Arbeit wurde die Pathogenese der urämischen Herzveränderung
im Tiermodell der experimentellen chronischen Niereninsuffizienz (8-Wochen-
Versuch, 5/6 Nephrektomie) mit immunhistologischen Methoden genauer untersucht.
Es standen dafür subtotal nephrektomierte Tiere, Kontrolltiere sowie Tiere mit
renovaskulärem Bluthochdruck (one clip-two kidney Modell) zur Verfügung.
In der semiquantitativen Auswertung fand sich dabei im Vergleich von subtotal
nephrektomierten Tieren und Kontrolltieren im Interstitium eine erhöhte Expression
der Antigene Integrin, Laminin, PDGF AB und bei der Untersuchung der Gefäße eine
erhöhte Expression von VEGF, Integrin, Aktin, Collagen und PDGF AB im Myokard
bei experimenteller Niereninsuffizienz. In einem weiteren Schritt wurden daraufhin
die Herzen der Tiere mit renovaskulärer Hypertonie ebenfalls im Hinblick auf diese
Antigene untersucht und mit den Herzen subtotal nephrektomierter Tiere verglichen.
Es zeigten sich dabei bei subtotal nephrektomierten Tieren gegenüber Tieren mit
renovaskulärer Hypertonie im Interstitium eine deutlich erhöhte Expression von
Integrin sowie in den Gefäßen von VEGF, Integrin, Aktin und Collagen.
In der quantitativen Untersuchung fand sich eine deutlich gesteigerte Häufigkeit
PCNA-positiver Zellen im Myokard, nicht-vaskulären Interstitium und Gefäßwänden
bei Tieren mit experimenteller chronischer Niereninsuffizienz gegenüber
Kontrolltieren und Tieren mit renovaskulärer Hypertonie.
Frühere morphologische Untersuchungen an normotensiven (mit ACE-Hemmstoff
behandelten) urämischen Tieren wiesen darauf hin, daß die urämische Herz-
veränderung nicht in erster Linie durch Hypertonie induziert wird. Die vorliegenden
Ergebnisse erhärten diesen Befund und belegen darüber hinaus,daß es sich
gleicherweise bei den bei Urämie zu beobachtenden Wachstumsvorgängen nicht nur
um Veränderungen handelt, die lediglich durch Hypertonie und Herzhypertrophie zu
erklären sind. Als Arbeitshypothese schlagen wir vor, daß durch das lokale
Zusammenspiel einer Reihe von Wachstumsfaktoren am Herzen die für die Urämie
charakteristischen Myokardveränderungen hervorgerufen werden. Unsere
Ergebnisse unterstreichen dabei die Bedeutung der renalen Anämie (vermehrte
Expression von VEGF) und lassen auch an intramyokardiale Diffusionsstörung durch
Vermehrung interzellulärer Matrixproteine mit konsekutiver
Sauerstoffminderversorgung der Herzmuskelzellen denken. Die Fibrose bei
chronischer Niereninsuffizienz könnte dabei zu Störungen der elektrischen
Erregungsausbreitung führen und zur Entstehung von Arrhythmien prädisponieren,
während gesteigerte interkapilläre Distanzen die Ischämietoleranz des Herzens
beeinträchtigen könnten.