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Ute Sigrid Kappey
Dr. med.
Analyse der relativen Oberflächenreflektivität der Nervenfaserschicht von
Augengesunden, Patienten mit okulärer Hypertension und Patienten mit primär
chronischem Offenwinkelglaukom mit dem Heidelberg Retina Tomographen
Geboren am 20. 01. 1968 in Krefeld
Reifeprüfung am 27. 06. 1987 in Krefeld
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1988 bis WS 1994/95
Physikum am 22. März 1990 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 09. 05. 1995 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Augenheilkunde
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. R.O.W. Burk
Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die in-vivo Messung der relativen Reflexionsintensitä-
ten der parapapillären Nervenfaserschichtsektoren unter Verwendung der Laser-Scanning-To-
mographie mit dem Heidelberg Retina Tomographen (HRT).
Es wurden 58 Augengesunde, 22 Patienten mit okulärer Hypertension und 40 Patienten mit
PCOWG untersucht. Die Nervenfaserschicht wurde in repräsentative Sektoren aufgeteilt. Es
wurde die Reihenfolge der relativen Reflexionsintensitäten dieser Sektoren innerhalb jedes
Kollektivs und auf Unterschiede zwischen den drei Gruppen untersucht. Die Durchschnitts-
werte lassen altersunabhängige Unterschiede erkennen:
Bei Augengesunden zeigt sich die höchste Reflexion im temporalen 60°-Sektor. Es folgen der
untere temporale und der obere temporale 60°-Sektor. Daran schließen sich die unteren und
oberen nasalen 30°-Sektoren an. Der nasale Sektor zeigt die geringste Reflektivität der peri-
papillären Nervenfaserschichtsektoren. Eine noch geringere zeigt lediglich die nicht mehr zur
NFS gehörige Papille.
Bei Personen mit okulärer Hypertension ist diese Reihenfolge nicht signifikant verändert. Al-
lerdings nimmt die Reflexion des temporalen 60°-Sektors im Vergleich zu Gesunden stark ab.
Dies könnte Zeichen eines Axonverlustes als Folge des erhöhten intraokulären Druckes sein.
Dennoch steht die Reflektivität dieses Sektors auch bei Personen mit okulärer Hypertension
noch an erster Stelle.
Bei Patienten mit PCOWG ist im Vergleich zu Augengesunden die Reihenfolge der
Reflexionsintensitäten des oberen und des unteren temporalen 60°- sowie des oberen und des
unteren nasalen 30°-Sektors vertauscht. Der größte Reflexionsverlust zeigt sich im unteren
temporalen 60°-Sektor, es folgen der temporal horizontale 60°- sowie der nasal untere 30°-
Sektor. Den geringsten relativen Reflektivitätsverlust der Nervenfaserschichtsektoren zeigt
der nasale 120°-Sektor. Die Patienten mit PCOWG zeigen somit eine höhere relative
Reflexion in der nasalen und oberen parapapillären Nervenfaserschicht. Wir werten dies als
Zeichen für eine geringere Schädigung dieser Nervenfaserschichtsektoren im Vergleich mit
den temporal unteren und horizontalen Bezirken, die offensichtlich einen relativ großen
Schaden erleiden. Die Reflektivität der Papille erscheint relativ erhöht, was auf den sekundä-
ren Axonverlust mit Exkavationsvergrößerung und die dadurch zunehmende Reflexion im
Bereich der Lamina cribrosa zurückzuführen ist.
Es ließ sich keine signifikante Korrelation zwischen dem Gesichtsfeldindex mittlere Defekt-
tiefe (MD) und der relativen Reflektivität eines oder mehrerer Sektoren der NFS nachweisen.
Als Erklärung kommt in Betracht, daß bei Vorliegen von manifesten Gesichtsfeldverlusten die
NFS bereits nahezu vollständig atrophiert ist.
Die zunehmende Trübung der optischen Medien mit dem Alter erklärt die objektiv und sub-
jektiv schlechter eingeschätzte Bildqualität bei älteren Personen.
Die Ergebnisse mit der von uns beschriebenen Untersuchungsmethode deuten darauf hin, daß
Schädigungen der Nervenfaserschicht bereits im Frühstadium der Erkrankung zu Veränderun-
gen in den Reflektivitäten der Nervenfaserschichtsektoren führen können, so daß man diese
Methode für eine Verlaufsanalyse ohne und mit Therapie verwenden werden könnte. Wie die
vorliegenden Ergebnisse zeigen, kann die Analyse der Reflexionsintensitäten der
parapapillären NFS mit dem HRT die topographische Analyse der Papille und der
peripapillären Nervenfaserschicht im Rahmen der lasertomographischen Glaukomdiagnostik
ergänzen.