Barbara Helena Heim
Dr. med.
Kurz- und Langzeiteffekt medizinischer Kompressionsstrümpfe auf das Beinvolumen
von Patienten mit primärer Stammvenenvarikosis der Vena saphena magna
Geboren am 12.06.1967 in Karlsruhe
Reifeprüfung am 10.06.1986 in Karlsruhe
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1989 bis WS 1995
Physikum am 10.09.1991 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 17.11.1995 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. H.-D. Klimm
Eine langjährige Stammvenenvarikosis der Vena saphena magna führt zu einem venösen
Stauungssyndrom und zu einem interstitiellen Ödem des erkrankten Beines. Das Ziel der
vorliegenden Studie war es, den Kurz- und Langzeiteffekt medizinischer Kompressions-
strümpfe auf den venösen Blutpool und das interstitielle Ödem von Patienten mit einseitiger
Stammvenenvarikosis der Vena saphena magna zu bestimmen.
46 Patienten mit unilateraler Stammvenenvarikosis der Vena saphena magna, Typ Hach III,
wurden in die Untersuchung aufgenommen (16 Männer mit einem Durchschnittsalter von
56 ± 10,2 Jahren und 30 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 55 ± 12 Jahre). Bei allen
Patienten wurde die Diagnose einer Stammvenenvarikosis der Vena saphena magna duplex-
sonographisch gesichert, eine Insuffizienz des tiefen Leitvenensystems konnte anhand der
Funktionsuntersuchungen sicher ausgeschlossen werden.
Die Beinvolumenmessung erfolgte mit einer neuen optoelektronischen perimetrischen
Messung. Das perimetrische Meßprinzip beruht auf einer berührungsfreien, nicht invasiven
Umfangmessung der Extremität mit Infrarotlicht, bei der getaktete Lichtschranken über einen
Sensorrahmen die Beinkontur abtasten. Die Volumenmessungen erfolgten im Liegen und
Stehen, am gesunden und varikösen Bein jedes Patienten, mit und ohne Kompressions-
strumpf, am Morgen und Abend des ersten Tages sowie nach einer Woche.
Die Mehrzahl der untersuchten Patienten wiesen anamnestische und körperliche Zeichen eines
fortgeschrittenen chronischen Venenleidens auf. 89% der Patienten gaben Stauungs-
beschwerden an, 63% der Patienten litten schon seit mehr als 10 Jahren unter der Venen-
erkrankung.
Die Meßergebnisse zeigten eine Differenz des Beinvolumens zwischen Varizenbein und
gesundem Bein von im Liegen 215,3 ml und im Stehen 249,3 ml p < 0,001). Das Mehr-
volumen des Varizenbeines betraf vor allem, mit 166,2 ml im Liegen und 184,2 ml im Stehen,
den Unterschenkel.
Die Änderung der Körperposition vom Liegen zum Stehen führte zu einer Umverteilung des
Blutvolumens der Beine von proximal nach distal. Das Volumen des Oberschenkels nahm
dabei mehr zu als das des Unterschenkels. Das „venöse Pooling“ war am Varizenbein mit
323,2 ml größer als am gesunden Bein mit 289,2 ml.
Das Anziehen eines Kompressionsstrumpfes bewirkte durch Entleerung venöser
Speichergefäße (Akuteffekt) im Liegen eine Volumenabnahme von 365,5 ml am Varizenbein
und 357,2 ml am Kontrollbein (p < 0,001). Im Stehen kam es zu einer Volumenabnahme von
428 ml am Varizenbein und 364,9 ml am Kontrollbein (p < 0,001).
Das Tragen von Kompressionsstrümpfen über 8 Stunden führte an beiden Beinen zu keiner
signifikanten Änderung des Beinvolumens. Am Varizenbein kam es jedoch zu einer
Volumenverlagerung vom Unterschenkel zum Oberschenkel.
Nach 7 Tagen konsequentem Tragen der Kompressionsstrümpfe kam es zu einer signifikanten
Reduktion des Beinvolumens des Varizenbeines von 97,3 ml im Liegen und 121,2 ml im
Stehen (p < 0,05). Der größte Anteil des reduzierten Volumens war im Liegen mit durch-
schnittlich 59,5 ml (p < 0,001) und im Stehen mit durchschnittlich 86,1 ml (p < 0,001) im
Unterschenkel lokalisiert. Am gesunden Bein kam es zu keiner statistisch signifikanten
Volumenänderung. Die Volumendifferenz zwischen Varizen- und Kontrollbein war nach
einer Woche nach wie vor vorhanden, verringerte sich jedoch.
Die perimetrisch gemessenen Volumenänderungen des Beines lassen die Schlußfolgerung zu,
daß das Anziehen eines Kompressionsstrumpfes rasch die physiologischen und patho-
logischen venösen Blutspeicher des Beines reduziert. Eine Mobilisation interstitieller
Gewebsflüssigkeit aus Muskulatur und Bindegewebe erfordert jedoch eine langfristige elasto-
kompressive Therapie über Wochen bis Monate.