Jörg Frey-Kinzinger
Dr. med.
Untersuchung nosokomialer Infektketten durch Staphylococcus aureus auf
Frühgeborenenstationen mittels Pulsfeld-Gelelektrophorese
Geboren am 07.07.1970
Reifeprüfung am 17.05.1989
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1990 bis SS 1998
Physikum am 01.09.1992 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg und Luzern/Schweiz
Staatsexamen am 20.05.1998 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Hygiene
Doktormutter: Prof. Dr. med. Borneff-Lipp
Aufgrund einer hohen Inzidenz von Sepsisfällen, wie sie insbesondere auf Frühgeborenen-
intensivpflege- und Nachsorgestationen bekannt sind, wurde im Rahmen einer
Längsschnitt-untersuchung über 9 Monate die hygienisch-mikrobiologische Ökologie
dieser Stationen erfaßt. Da ein anteilig gehäuftes Vorkommen von Staphylococcus aureus-
Stämmen auffiel, lag es nahe, diese Isolate mittels moderner molekularbiologischer
Differenzierungsmethoden zu untersuchen, um mögliche Infektketten sowie ihre Ursachen
darstellen zu können.
Unter Verwendung der Pulsfeld-Gelelektrophorese (PFGE) wurden die aus 3747 Abstrich-
und Abklatschproben isolierten Staphylococcus aureus-Stämme auf ihre genetische
Identität überprüft. Das Probenmaterial stammte von rektalen und oralen Abstrichen von
155 Patienten, von Nasenvorhofabstrichen und Händen des Stationspersonals, von Proben
der Umgebung und von Besuchern der Station.
Die Analyse der 287 Stämme mit Hilfe der PFGE ergab insgesamt 17 verschiedene
Stämme. Dabei fiel vor allem das gehäufte Auftreten eines Klons auf (43,2%), der während
des gesamten Untersuchungszeitraumes auf den Stationen nachgewiesen werden konnte.
Auf der Basis der Ergebnisse der PFGE sowie der Kenntnis der Entnahmeorte und
Entnahmezeitpunkte der Proben war es möglich, potentielle Infektketten darzustellen. Wir
unterschieden dabei bezüglich der Übertragungswege drei Gruppen (Patient-Patient (17
Fälle), Personal-Patient (5 Fälle), Besucher-Patient (2 Fälle)).
Wir konnten zeigen, daß der Einsatz der PFGE zur Bearbeitung krankenhaus-hygienischer
Fragestellungen besonders geeignet ist, unter anderem um Hypothesen zu potentiellen
Infektketten zu beantworten, die bislang eher empirisch als experimentell beschrieben
wurden. Ihr besonderer Wert ist darin zu sehen, daß den aus forensischen, aber auch
psychologischen Gründen erforderlichen eindeutigen Belegen für die Weitergabe von
Infektionserregern in der täglichen Arbeitssituation entsprochen werden kann. Allein durch
frühzeitige Erkennung des endemischen Vorkommens bestimmter Stämme sind rechtzeitig
geeignete Interventions- und Präventionsmaßnahmen realisierbar.