Matthias Alexander Forstmann
Dr. med.
Untersuchung zum Interventionseffekt einer 6jährigen Gemeindestudie in Bruchsal und
Mosbach
Geboren am 21.03.1969 in Mainz
Reifeprüfung am 20.06.1988 in Bad Homburg
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1990 bis SS 1998
Physikum am 30.03.1992 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Bietigheim-Bissingen
Staatsexamen am 19.05.1998 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. W. Kübler
In der von 1984 bis 1992 in den alten Bundesländern der Bundesrepublik durchgeführten
Deutschen Herz-Kreislauf-Präventionsstudie (DHP) ging es um den Vergleich zweier
Strategien zur Senkung der hohen Belastung der Bevölkerung mit Herz-Kreislauf-
Risikofaktoren: der expertengeleiteten (und voll finanzierten) „kooperativen Prävention“ und
der von Bürgern in der Verantwortung von niedergelassenen Ärzten rein ehrenamtlich
durchgeführten „gemeindebezogenen Verhaltensmedizin“. Beide Ansätze konnten nach im
Mittel 7 Jahren die Risikobelastung - entgegen einem ansteigenden Trend in der gesamten
Bundesrepublik (nachgewiesen im parallel durchgeführten Nationalen Untersuchungssurvey
NUS) - bevölkerungsweit erfolgreich senken.
Gegenstand dieser Arbeit sind zwei Gemeinden aus dem Bereich der "gemeindebezogenen
Verhaltensmedizin"- Bruchsal und Mosbach. Untersucht wurde die Frage, inwieweit sich die
Medikamenteneinnahme und die individuelle ärztliche Beratung in Hinblick auf die
Entwicklung der Risikofaktoren verändert hatte. Diesen Fragen konnte nur in einem
aufwendigen explorativen Analyseansatz nachgegangen werden, der per definitionem
Hypothesentestungen im klassischem Sinne ausschließt.
In Bruchsal waren ausgeprägte Risikosenkungen erzielt worden, die in dem nur 60 km
entfernten, von der Bevölkerungsstruktur vergleichbaren Mosbach fast völlig ausgeblieben
waren.
Während in Bruchsal alle drei Ebenen des Modells "gemeindebezogene Verhaltensmedizin"
etabliert werden konnten, - qualitativ verbesserte Betreuung der Patienten in der
Individualsprechstunde, Ausbau der Gruppenmedizin und ärztlich verantwortete Aktivitäten
im Gemeinderahmen - waren die Ärzte in Mosbach nahezu ausschließlich in der
Sprechstunde aktiv.
Ein Vergleich der Variablen Hypertonie, Hypercholesterinämie, Rauchen und Übergewicht
(unter Einbeziehung von Medikamentenverschreibungen und individuell erhaltener ärztlicher
Beratung) zwischen den Regionen Bruchsal, Mosbach und der nationalen Referenz im
Zeitvergleich (1985, 1988 und 1991) förderte folgende Erkenntnisse zutage:
Der ausgebliebene Erfolg im Hinblick auf eine Senkung der Risikofaktoren in Mosbach steht
im Gegensatz zu einer gegenüber Studienbeginn intensivierten allgemeinen
Beratungstätigkeit und direkt risikofaktorenbezogenen Maßnahmen
(Medikamentenverschreibungen) in der Individualsprechstunde. In Bruchsal dagegen hatte
die Intensität der
entsprechenden Maßnahmen gegenüber dem Studienbeginn stagniert oder nachgelassen.
Dagegen waren 24 Gruppen zur Gesundheitsförderung und Prävention etabliert worden (2.
Ebene). Zusätzlich war die Ärzteschaft in Zusammenarbeit mit zwei Arbeitsgemeinschaften
für gemeindebezogene Verhaltensmedizin im Gemeinderahmen aktiv (3. Ebene).
Insgesamt erscheint die Annahme, die Risikofaktorensenkungen in Bruchsal könnten v.a.
durch eine vermehrte Medikamenteneinnahme oder durch eine intensivierte Beratung in der
Individualsprechstunde bedingt sein, als nicht plausibel. Die Wirksamkeit dieser beiden
Maßnahmen konnte zwar - anhand der Daten aus Mosbach - nachgewiesen werden,
gemeindeweit trugen sie jedoch nicht entscheidend zum Erfolg bei.
Eine erste Analyse der in der Studie begleitend erhobenen Daten zur Prozeßevaluation macht
wahrscheinlich, daß die Gründe für das bessere Abschneiden in Bruchsal wesentlich in den
dort etablierten gruppentherapeutischen Angeboten und den gemeindebezogenen Aktivitäten
der dortigen Ärzteschaft liegen.
Zur genauen Abklärung dieser Fragen sind weitere - über die Fragestellung dieser Arbeit
hinausreichende - Untersuchungen erforderlich.