Bernd Merkle
Dr. med.
Szintigraphische Untersuchungen der renalen Perfusion bei
Hypertonikern in Abhängigkeit von körperlicher Belastung. Gelingt
der Nachweis des bilateral-pathologischen Belastungsrenogramms
mit Hilfe eines Computers?
Geboren am 24. 02. 1963 in Stuttgart
Reifeprüfung am 28. 05. 1982 in Filderstadt
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1989 bis WS 1995/1996
Physikum am 18. 03. 1991 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr an den St. Vincentius-Krankenhäusern in Karlsruhe
Staatsexamen am 13. 11. 1995 an der Universität Freiburg
Promotionsfach: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Doktorvater: Prof. Dr. med. John H. Clorius
Mit Hilfe von körperlicher Belastung provozierte bilaterale
renoparenchymale Tracertransportstörungen von PAH-Analoga bei
Hypertonikern sind beschrieben. Ziel dieser Arbeit war die Entwicklung
einer Methode, die es ermöglicht diese Funktionsstörung mit Hilfe eines
Computers zu verifizieren. In die Auswertung kamen die szintigraphischen
Daten von 39 Hochdruckpatienten und 5 freiwilligen normotensiven
Kontrollpersonen, die sowohl einer Liegenduntersuchung als auch einer
Untersuchung bei körperlicher Belastung auf dem Fahrrad-Ergometer
unterzogen wurden. [99mTc]-MAG3 diente bei allen Renographien als
Radiodiagnostikum. Neben bekannten Parametern aus der
Nierenfunktionsdiagnostik erfolgte auch die Bestimmung neu definierter,
speziell auf die untersuchte Funktionsstörung zugeschnittener Parameter.
Diskriminanzanalysen mit den Parametern, die sich zur Differenzierung
eigneten, führten zu einer Einteilung der Patienten und Probanden durch
den Computer. Diese Einteilung wurde mit der grundlegenden visuellen
Beurteilung der Renographien durch einen erfahrenen Arzt verglichen.
Gruppe 1 rekrutierte sich aus den renographierten Personen, denen der
Untersucher ein normales Belastungsszintigramm bescheinigt hatte. Dazu
gehörten 19 Patienten und alle 5 Kontrollpersonen. Bei den übrigen 20
Patienten fand sich die untersuchte beidseitige Tracertransportstörung.
Diese Patienten mit bilateral-pathologischen Belastungsszintigrammen
bildeten die Gruppe 2.
Durch Subtraktion der berechneten Parameterwerte der
Ruheuntersuchung von denen der Belastungsuntersuchung bildete der
Computer die entsprechenden Differenzvariablen. Die Mittelwerte der
Differenzvariablen von 4 Parametern (∆TBlase, ∆TMax, ∆(δB/δt) und
∆(A18/A3)) zeigten signifikante Unterschiede im Vergleich der beiden
Gruppen. Aus den 4 Differenzvariablen konnten 11 verschiedene
Kombinationen zur Durchführung der angestrebten multivariaten
Diskriminanzanalysen gebildet werden.
Das Erkennen eines normalen Belastungsrenogramms bereitete dem
Computer bei keiner der durchgeführten Diskriminanzanalysen Probleme.
Kein einziger dieser Patienten und der Kontrollen war falsch zugeteilt
worden. Die Übereinstimmung von Untersucher und Computer war bei
den 20 Patienten, bei denen der Untersucher anhand der
Belastungsrenographien eine beidseitige Tracertransportstörung im
Nierenparenchym gesehen hatte, bis auf eine Ausnahme ebenfalls hoch
mit 85 bis 100%. Bei 2 der Kombinationen aus den Differenzvariablen
resultierte eine zu 100% übereinstimmende Zuordnung der 39 Patienten
und 5 Kontrollen von Computer und Arzt.
Nur wenige Wissenschaftler haben sich bislang mit der
Belastungsrenographie und der untersuchten belastungsabhängigen
Nierenfunktionsstörung beschäftigt. Mit Hilfe eines einheitlichen
Untersuchungsregimes und einer erfolgreich standardisierten Beurteilung
dieser Untersuchungen sollten vergleichbare Ergebnisse und
Interpretationen möglich sein. Das hier vorgetragene Bewertungsmodell
stellt ein Verfahren zur objektiven Beurteilung der Renogramme dar.